Den Niendorfern und den Stammgästen des Ostseebades war er ein Begriff ? Gerhard ?Heinzel? Ficht, der Mitte März dieses Jahres mit 76 Jahren plötzlich verstarb.

 

Sein ?Stammsitz?, der kleine, grüne Wohnwagen im Niedorfer Hafen, fällt jedem gleich ins Auge, da er so gar nicht ins Bild des vor einigen Jahren modernisierten Hafens zu passen scheint.

 

Zum Gedenken an den Menschen, der wie das Wasserplätschern und der Wind zu Niendorf gehörte, bleibt das kleine, grüne Unikum als Erinnerungsstätte auch nach seinem Tod erhalten.

 

Am Mittwoch, 5. Oktober, übergab Bürgermeister Volker Popp, den grünen Wohnwagen seiner offiziellen Bestimmung und enthüllte zusammen mit Karl-Heinz Ficht, einem Neffen, eine Gedenktafel, die ein wenig vom Leben und Wirken des Fischereiwirtschaftsmeisters berichtet.

 

Die kleine Feier begann um 11 Uhr. ?Das war die Zeit, in der Heinzel an sein erster Getränk geriet?, berichtete der Bürgermeister den Anwesenden der Zeremonie, zu der viele Freunde und Weggefährten gekommen waren. Fiete (linkes Bild) am Schifferklavier spielte dazu Heinzels Lieblingsstück ?Junge, komm bald wieder?.

 

Der Lebensweg von  Heinzel  Ficht

 

Geboren wurde Heinzel Ficht am 6. Juli 1934 in Neukuhren, im ostpreußischen Samland, und wuchs mit fünf Geschwistern auf. Die Familie flüchtete im Februar 1945 per Schiff nach Niendorf.

 

Heinzel Ficht hat zu Lebzeiten über die Flucht nur wenige Worte verloren. Es sei von Hafen zu Hafen gegangen, immer ?die Russen im Nacken?, auf einem Schiff in Richtung Greifswald, das mit Flughafenmaterial so vollgestopft war, dass kaum Platz für die Habseligkeiten von drei Familien blieb, die sich in Sicherheit bringen wollten.

 

Auch nach dem Krieg hat Heinzel Ficht viel erlebt. Bis 1948 besuchte er die Schule in Niendorf, im Anschluss absolvierte er seine Lehrzeit bei seinem Onkel in Heiligenhafen. Bereits mit 17 Jahren ging es bereits auf große Fahrt auf Fischtrawlern in die Nordsee bis hinauf ins Eismeer.

 

Seine letzten 50 Lebensjahre verbrachte er in Niendorf, ging dort mit der ?Kleen Anna? auf Fischfang und genoss die Feiern mit Freunden an seinem Wohnwagen. ?Nur zum Heiraten blieb keine Zeit?, erzählte er, um häufig anschließend zur Erheiterung der Zuhörer seine einschlägigen Erfahrungen mit der Damenwelt, wie man es als Landratte aus Seemannsliedern kennt, zum Besten zu geben.

 

Den Spitznamen Heinzel hat man ihm schon als Kind gegeben, weil er in einer Weihnachtsaufführung einen Heinzelmann gespielt hat.

 

Liebevolle Erinnerungen und die Geschichte mit dem grünen Wagen

 

?Heinzel Ficht hat das Leben am Niendorfer Hafen über viele Jahrzehnte entscheidend mit geprägt. Er war ein ausgesprochen positiv denkender Mensch und seine Feiern in seinem Wohnwagen und dessen Umfeld waren legendär?, berichtete Volker Popp.

 

Und auch Sven Oldhoff, langjähriger Hafenmeister des SVNO, erinnert sich schmunzelnd: ?Wir haben so manches Mal nach Starkwind Heinzels Leergut aus dem Wasser gefischt.? ?Sein Lieblingsgetränk war die Kleine Reblaus rosé, harte Getränke hat er gemieden?, erinnert sich der Bürgermeister und auch daran, wie es dazu kam, dass der grüne Wagen nicht ? wie geplant - den Hafenverschönerungsarbeiten zum Opfer fiel.

 

?Wir wähnten ihn schon auf dem Weg zur Entsorgung, als er wie von Zauberhand auf der anderen Hafenseite wieder auftauchte?, so Volker Popp. Dort wurde während der Bauarbeiten munter weiter gefeiert.

 

Bei der Abschlussbegehung des neuen Hafenteils am Vorabend der feierlichen, offiziellen Eröffnung, Pfingstfreitag 2006, war der Wagen auch noch dort. ?Als wir aber am Samstagmorgen mit vielen hochrangigen offiziellen Vertretern eine Hafenbegehung machten, stand er wieder auf seinem alten Platz und Heinzel Ficht saß mit verschmitztem Lächeln davor?, erzählt Volker Popp.

 

Die Verwaltung habe schnell reagiert und alles so gelassen wie es immer noch ist. Man habe begriffen, dass man dieses Stück Niendorfer Herz und Seele zu respektieren habe.

 

Zur Einweihungsfeier ist das gute Stück noch einmal frisch gestrichen worden, nur die Unordnung im und um Heinzels ehemaliges Hafendomizil ist geblieben. ?Dass die typische ?Ficht-Ordnung? bleibt, wäre sicher ganz in seinem Sinne?, ist Volker Popp überzeugt und dass sich auch in Zukunft seine Freunde wie zu Lebzeiten von Heinzel Ficht dort treffen, zusammen feiern und sich an diesen ganz besonderen Menschen erinnern werden.

 

 

Zusammen mit Karl-Heinz Ficht (links), einem Neffen von Heinzel,
enthüllte Bürgermeister Volker Popp die Gedenktafel an Heinzel Fichts Hafendomizil.

 

 

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