Der Tag des offiziellen Abschieds von Volker Popp, am Freitag, 29. Juni 2012, wäre sicher ein Tag nach seinem Herzen gewesen.

 

Es war ein sehr warmer Sommertag. Die Menschen strömten in den Ort, wollten Sonne, Wind und Wasser genießen. ?Das ist gut?, hätte er bestimmt gesagt und sich über den Besucherandrang gefreut.

 

Der florierende Tourismus war ihm immer wichtig gewesen, dafür hat er viel getan, aber die Menschen in seinem Umfeld darüber nie vergessen.

Viele kamen nach Timmendorfer Strand um ihm zum letzten Mal die Ehre zu erweisen, schon weit vor Beginn des Trauergottesdienstes, um 12 Uhr, in der Waldkirche.

Waren es 800, 900 oder noch mehr Menschen? Es waren jedenfalls so viele, dass die Plätze in der Kirche nicht ausreichten und Bänke vor der Kirche aufgestellt wurden. Die Freiwilligen Feuerwehren standen Spalier auf der Kirchentreppe, Einwohner und Gäste trafen zahlreich ein.

 


Manche hatten sich lange Zeit nicht gesehen. Man begrüßte sich verhalten, bedauerte, dass es dieses traurigen Anlasses bedurfte, sich endlich wieder einmal zu sehen und selbst ?gestandene Männer?, wie es so schön heißt, hatten Tränen in den Augen ? ungewöhnlich und herzergreifend.

Nein, es war keine Veranstaltung, zu der man gehen musste. Das Bedürfnis, Abschied zu nehmen von einem Menschen, den man geschätzt hatte, war der spürbare Beweggrund an diesem Tag.

Das vielfache Gemurmel verstummte schlagartig, als Punkt 12 Uhr die Kirchenglocke schlug. Eine greifbare Wehmut blendete alle Außengeräusche aus. Pastor Vogel und Propst Wiechmann führten die versammelte Gemeinde durch einen ungewöhnlichen Gottesdienst. Gleich welcher Glaubensrichtung folgte man ihnen auf einer Spur des Trostes, sang und betete miteinander, so wie man es selbst für richtig und gut empfand.

?Wir sind in diesen Wochen reifer, weiter geworden?, sagte Pastor Vogel am Schluss seiner Predigt, in der er zuvor die Anwesenden auf eine Zeitreise durch das zu kurze Leben von Volker Popp mitgenommen hatte. Vielen, die die letzten Wochen von Volker Popp nicht miterlebt hatten, beschrieb er in schlichten, aber intensiven Worten, wie schnell sich das Leben für ihn verändert hatte, der durch das Bild mit seinem bekannten Lächeln vor dem Altar so präsent war.

?So haben wir Bürgermeister Volker Popp gekannt: hoch gewachsen, stark, sportlich, voller Energie, fair, mit Dithmarscher Charakterkopf, eine stattliche Erscheinung, eloquent, durchsetzungsfähig, parteilos, eine präsente, öffentliche Führungspersönlichkeit, nicht nur hier im Ort, sondern in vielen, vielen  Positionen und Zusammenhängen, landesweit?, beschrieb ihn Pastor Vogel treffend.

?Doch nach dem Zusammenbruch der Kräfte Mitte Januar?, schilderte er weiter, ?war dann ein andere Volker Popp nahe: Einer, bei dem erkennbar nicht mehr zählte, was man leisten kann, und schon gar nicht, was man SICH leisten kann, was im Ort bei manchen so wichtig scheint ??

Der Verzicht auf eine erneut Kandidatur sei ihm schwer gefallen, der Wunsch, seine geschätzte Nachfolgerin persönlich kennen zu lernen, verwehrt geblieben. ?Weil ein normales Sich-Begegnen bei spürbar abnehmenden Kräften nicht mehr möglich war, haben wir kurzerhand eine ungewöhnliche Form gefunden und ein Stück vom Brot des Lebens höchst eindrücklich geteilt?, so Pastor Vogel. Die eine Hälfte habe er Hatice Kara gereicht, die andere sogleich zu Volker Popp gebracht, drei Tage, bevor er das Zeitliche gesegnet habe. ?Ein stille Händedruck ganz andere Art. Statt Amtsübergabe gemeinsame Segens-Teilhabe, generations- und religionsübergreifend.?

Das Orgelvorspiel von Kirchenmusiker Jan Weinhold, die Improvisation zu ?Von Gott will ich nicht lassen?, bei der Dave Schiavone mit dem Saxophon die Orgel begleitete, die Lieder ?Befiehl du deine Wege?, ?Lobe den Herren?,?Wer nur den lieben Gott lässt walten? und schließlich ?Mögen Engel dich begleiten? füllten mit mächtigen, inbrünstigen Klängen des Kirchenschiff.

Saxophon und Orgel begleiteten auch das Abendmahl, das in und außerhalb der Kirche gereicht wurde, zu Beginn intonierte jedoch der Shanty-Chor zwei Lieblingslieder von Volker Popp.

Nach einer Stunde traten die Kirchenbesucher wieder in den Sonnenschein. Ergriffen, manche ein wenig verwundert, dass das Leben seinen Gang nimmt und die Welt nicht wenigstens einen kleinen Moment stehen blieb, weil man sich nun endgültig von Volker Popp hatte verabschieden müssen.

Einige trafen sich noch auf Einladung der Gemeinde in Niendorf im Hotel ?Friedrichsruh?, wo der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Bürgermeister, Rainer Steen, die Anwesenden im Namen der Familie begrüßte. Diese hatte im Vorfeld darum gebeten, von Beileidsbekundungen abzusehen und Abschiedsworte erst im Friedrichsruh zu sprechen.

?Wir sind über betroffene Trauer im Grunde längst hinaus?, hatte Pastor Vogel in seiner Predigt über diejenigen gesagt, die Volker Popp beständig begleitet hatten und schloss damit auch die Familie ein. ?Inzwischen ist es Frau Popp, die die Menschen tröstet?, sagte er einmal im kleinen Kreis. Und so sah sie jeder an diesem Nachmittag. Lächelnd, für jeden mit freundlichen, tröstenden Worten.

Landrat Reinhard Sager, Frank Behrens, der Stellvertreter von Volker Popp beim Tourismusverband Schleswig-Holstein und Peter Danzeglocke, der Vorsitzenden des Sportvereins NTSV Strand 08 schilderten ihre ganz persönlichen Gedanken, bei denen ihnen die Stimmen immer wieder versagten.

Alle Anwesenden erfüllten einen der letzten Wünsche von Volker Popp, den die Familie in der Traueranzeige in einem Spruch zum Ausdruck brachte ? an ihn zu denken, von ihm zu erzählen und sich zu trauen zu lachen.

Der Heimweg führte auch zurück in die Normalität, mit Sonne, lachenden Menschen, klingelnden Radfahrern und vielen Ausflügler-Autos auf den Straßen ? ein ganz normaler Freitagnachmittag in der Saison. Nur am Abend, da öffnete der Himmel dann auch seine Schleusen und weinte heftig.


Anmerkung der Redaktion:

Für alle diejenigen, die bei der Trauerfeier nicht dabei sein konnten, haben die Redner ihre Zustimmung gegeben, ihre Worte abzudrucken.

Trauerpredigt von Pastor Vogel

Abschiedesworte von

 

- Landrat Reinhard Sager
- Frank Behrens
- Peter Danzeglocke

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