Die Diskussion über das weitere Vorgehen bei der Sanierung der Pavillons an der Badeanstalt Klingberg stand in Scharbeutz gleich auf zwei Ausschuss-Tagesordnungen. Zunächst befasste sich der Bauausschuss am Dienstag, 7. Oktober 2014,  mit dem Thema, tags darauf sollte dies auch im Tourismusausschuss geschehen.

So wie das Schild mit der Badenixe sind die Gebäude an der Badeanstalt in Klingberg sanierungsbedürftig und die Gaststätte ist inzwischen geschlossen. Dort wurde der Punkt jedoch gleich zu Beginn von der Tagesordnung genommen. „Wir haben das im Bauausschuss bereits ausführlich besprochen und Beschlüsse gefasst“, begründete Jürgen Brede (SPD) den Antrag, „und außerdem gibt es weitere Erkenntnisse zur Bausubstanz von den Architekten und Planern erst Anfang nächsten Jahres.“

Das hatte Christian Bielke vom Eutiner Architekturbüro Bielke und Struve am Dienstagabend nach seinem Sachstandsbericht erklärt. Die bisherige Planung der Sanierungsmaßnahmen hat sich auf die äußere Hülle der Pavillions 3 und 4 bezogen, in der sich bis Ende Oktober 2014 die Gastronomie mit Nebenräumen und einer nicht genehmigten Pächterwohnung befanden. Im Inneren sollte lediglich der gegenwärtige Zustand von der Bauaufsicht genehmigt werden. Im Haushalt sind dafür sowie für die Erneuerung der Außenanlagen 386 000 Euro bereitgestellt worden.

Alle Pavillons an der Badeanstalt Klingberg müssen saniert werden. Ein schlüssiges Gesamtkonzept gibt es allerdings immer noch nicht. Die Pavillons 1 und 2 mit den Sanitärbereichen für die Badeanstalt sollen ebenfalls saniert werden. Im Hinblick auf das Thema „Inklusion“ sind barrierefreie Zugänge und eine Toilette geplant sowie eine Wickelmöglichkeit und eine Kindertoilette. Für diese Arbeiten sind noch keine Haushaltsmittel bereitgestellt.

Der Vortrag des Architekten zeigte allerdings auch erhebliche Mängel im Innenbereich dieser Pavillons. „Es wurden inzwischen stichprobenartige Bauteilprüfungen vorgenommen, die unter anderem ans Licht brachten, dass es im gesamten Fußbodenbereich keine Abdichtung gibt, ebenso wurden starke Verfaulungen und feuchte Wände entdeckt“, berichtete Christian Bielke. Die technischen Installationen bezeichnete er als „etwas abenteuerlich“. Es wäre unsinnig, das Dach beim Gastro-Pavillon zu sanieren und den Unterbau so zu lassen, wie er ist. „Das ist rausgeschmissenes Geld“, lautete sein Fazit.

Als nächste Schritte schlug er vor, die Nutzungsziele zu konkretisieren, die Planung und die Kosten zu aktualisieren und Beschlüsse zum weiteren Vorgehen zu fassen.

Jürgen Boyen (CDU) griff als erstes die Frage der Nutzung auf. „Nur Sanieren und die Gastronomie wieder eröffnen erscheint mir nicht die richtige Vorgehensweise“, sagte er. Vielmehr solle „etwas mehr Gehirnschmalz“ in ein touristisches Konzept gesteckt werden für diesen „einzigartigen Standort im Binnenland“, um dafür Fördermittel, beispielsweise bei der AktivRegion, zu beantragen. Die Haushaltsmittel für den Gastro-Pavillon sollten zwischenzeitlich für die Sanierung der Sanitär-Pavillons eingesetzt werden.

Jürgen Brede (SPD) entgegnete: „Es besteht dann die Gefahr, dass sich alles um weitere zwei bis drei Jahre verzögert“ und gab weiterhin zu bedenken: „Was passiert, wenn die Planer mit einem völlig neuen Konzept kommen und wir schon zwei Pavillons saniert haben?“ Seit drei Jahren diskutiere man dieses Thema und habe auch mit dem ehemaligen Betreiber zusammen nicht geschafft, eine Lösung zu finden und nun stünden wieder neue Varianten im Raum. „Ich finde es langsam peinlich, dass wir uns nur im Kreis drehen und ich weiß nicht, wie man das den Bürgern noch erklären soll“, bemängelte er.

Frank Heitmann (WUB) fragte sich, ob die gegenwärtige Bebauung überhaupt erhaltenswert sei. „Diese Frage kann man erst beantworten, wenn die Kosten für eine Sanierung und als Alternative für einen Neubau feststehen“, antwortete Christian Bielke.

Bei der idyllisch gelegenen Badeanstalt in Klingberg soll in der nächsten Saison wenigstens der Badebetrieb aufrecht erhalten werden.Erich Bierhals (FDP) verwies darauf, dass in jedem Fall eine Badestelle mit festgeschrieben und der reine Badebetrieb für 2015 sichergestellt werden müsse. Seinem Vorschlag, die Kostengegenüberstellung bis zur nächsten Bauausschusssitzung auszuarbeiten, erteilte der Architekt allerdings eine klare Absage: „Das ist nicht zu schaffen, da noch keine entsprechenden Fachplaner beteiligt sind.“

Es gibt noch vieles zu bedenken. So wandte Dorit Klees ein, dass es für den jetzigen Bestand Genehmigungen gäbe, für alles andere, wie beispielsweise einen Neubau, brauche man jedoch eine neue Bauleitplanung. „Bei einem Abriss der jetzigen Gebäude wird das Gelände doch FFH-Gebiet“, wandte dazu Jens Teschke (WUB) ein, der bezweifelte, dass dort überhaupt neu gebaut werden dürfe.

„Wir brauchen einfach klare Aussagen, die es noch nicht gibt“, dränget Dieter Holst (SPD) auf ein Ende der Diskussion. Bei der anschließenden Beschlussfassung ergab sich ein unterschiedliches Bild. Mit der Stimmenmehrheit von SPD und WUB wurde beschlossen, die weitere Sanierungsplanung auf alle vier Pavillons zu beziehen. Mit einer CDU-Gegenstimme wurde der Vergabe von Planungsaufträgen für die technische Gebäudeausrüstung, die Tragwerksplanung und den Wärmeschutznachweis an zwei Planungsbüros zugestimmt und dass mit den erarbeiteten Planungen nach einem neuen Pächter gesucht wird. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen, parallel dazu ein touristisches Nutzungskonzept unter Berücksichtigung von Fördermitteln zu erstellen.

Aus allem ist ersichtlich, dass es im kommenden Jahr keine Gastronomie an der Badeanstalt geben wird. In der Tourismusausschusssitzung am Mittwoch brachte der Gleschendorfer Dorfvorsteher Kai Kahlke in der Einwohnerfragestunde einen weiteren Punkt ins Spiel: „Das Binnenland sollte man nicht nur aus touristischer Sicht sehen“, sagte er, „gerade die Badeanstalt ist wichtig als regionaler Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger aus den umliegenden Ortschaften.“

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