Die Gemeinde Ratekau will das Thema Inklusion und Barrierefreiheit mit einem Aktionsplan praktisch angehen. Zusammen mit der Lebenshilfe Ostholstein soll dazu ein konkretes Konzept erarbeitet werden.

Zum Auftakt findet am Dienstag, 27. Januar 2012, um 18.30 Uhr, im Rathaus eine Veranstaltung statt, zu der alle Bürgerinnen und Bürger willkommen sind, die sich mit Ideen und Anregungen einbringen möchten. Anmeldungen werden von Kämmerer Hans-Jürgen Krause telefonisch unter (0 45 03) 803-200 oder per E-Mail an info@ratekau.de entgegengenommen.

Im Vorfeld wurden schriftlich bereits 188 Einladungen an öffentliche Institutionen, wie Vereine und Organisationen, Gewerbetreibende, Schulen, Kindergärten, Kirchen, Polizei, Feuerwehren und einige mehr verschickt.

Ein Motiv der Bilder der Ausstellung in Ratekau.Der Abend beginnt mit einer Ausstellungseröffnung. Gezeigt werden von Jugendlichen aus Ratekau und Oldenburg bearbeitete Fotografien und Impressionen zu den Themen Inklusion und Barrierefreiheit.

Im Anschluss soll eine erste Bestandaufnahme erfolgen, wo in Ratekau gesellschaftliche Teilhabe, das „Dabeisein“ für Menschen mit Behinderungen bereits jetzt schon problemlos möglich ist oder wo Veränderungen notwendig sind. Die zentrale Frage lautet: „Wie kann sich Ratekau als lebenswerter Wohnort für Menschen mit und ohne Behinderung weiter entwickeln?“

„Häufig sind es schon kleinere Maßnahmen, die das Leben erleichtern“, sagt Lena Middendorf, die kreisweit für die Lebenshilfe Projekte betreut und Regine Voß, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Ostholstein, ergänzt: „Bei den Worten ‚Behinderung‘ und ‚Inklusion‘ denkt man häufig nur an Rollstuhlfahrer. Behinderungen gibt es aber in vielfältigen Formen.“

Dazu gehörten beispielsweise Seh- oder Hörstörungen, ebenso wie psychische Überlastungen, aber auch einfache Bewegungseinschränkungen älterer Menschen im Allgemeinen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind. Schließlich gehören selbst „temporäre Einschränkungen“, wie nach einem Sportunfall ebenfalls dazu, bis hin zur Beweglichkeit mit Kinderwagen und ähnlichem.

Bürgermeister Thomas Keller (vorne) sowie (von links) Gabriele Priedemann, Hans-Jürgen Kraus, Susanne Voß und Lena Middendorf von der Lebenshilfe Ostholstein, wollen ein Konzept für Inklusion und Barrierefreiheit entwickeln.„Es liegt eine große Aufgabe vor uns“, sagt Bürgermeister Thomas Keller, „die sich auch in den Finanzmitteln des Haushaltes niederschlagen wird.“ Dazu gehören beispielsweise einige Umbauarbeiten an der Cesar-Klein-Schule, die unter anderem einen barrierefreien Eingang bekommen wird. „Wir arbeiten ebenfalls an einer Lösung für unsere Eingangstür am Rathaus“, so Keller weiter. Sie lässt sich nicht nur schwer öffnen, sie muss darüber hinaus nach außen gezogen werden.

Dass nicht nur negative Beispiele aufgezählt werden sollen, darauf verweist Lena Middendorf. „Dabei kann man vieles von anderen Bundesländern lernen, die teilweise schon viel weiter sind.“

Für gelungen hält sie den Dorfentwicklungsprozess „Dorf mit Zukunft“ in Dedinghausen/Nordrhein-Westfalen (www.dedinghausen.de) und das dortige Bürgernetzwerk (http://dedinghausen.de/buergernetzwerk/).

Erste Schritte in diese Richtung macht bereits die Ratekauer Bürgerstiftung (http://www.buerger-stiftung-ostholstein.de/stiftungen/buergerstiftung-gemeinde-ratekau/). „Wir haben in Ratekau auch schon mit der Verwaltung zusammengesessen zum Thema ‚inklusions-orientierte Verwaltung‘ und geprüft, wie weit die  Inklusionsbestrebungen umgesetzt werden oder verbessert werden können.“

Es ginge auch nicht immer um den Einsatz von finanziellen Mitteln. „Entscheidend ist schon alleine, das Bewusstsein zu schärfen, wie man miteinander umgeht, wie offen man für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen ist.“ Das koste kein Geld, das koste einfach nur Aufmerksamkeit.

Von den rund 15.200 Einwohnern in Ratekau sind 3096 Menschen Menschen mit anerkannten Behinderuingen, laut Statistik des Landesamtes für soziale Dienste (LASD) in Lübeck. Davon sind 1.884 schwerbehindert, das heißt der Grad der Behinderung liegt bei 50 Prozent und mehr. 944 von ihnen sind weiblich, 940 männlich. 1212 Menschen haben eine Behinderung unter einem GdB von 50.

Mit Gabriele Priedemann und Peter Endler kümmern sich in der Gemeinde zwei Behindertenbeauftragte um die Belange der Betroffenen. An jedem dritten Donnerstag im Monat findet von 17 bis 18 Uhr eine Beratungssprechstunde im Rathaus, Zimmer 3, statt.

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