Mancher Spaziergänger, der in letzter Zeit an der Scharbeutzer Promenade flanierte, mag sich gefragt haben: „Was ist das?“.

Denn neben der Aussichtsplattform an der Promenade 1 (Höhe Lindenstraße) steht ein etwa fünf Meter hoher Mast, an dessen Spitze sich ein Rotor dreht.

„Irgendetwas mit Wind wird es wohl sein“, wurde gemutmaßt und wer in den Abendstunden vorbeikam, war des Rätsels Lösung schon ganz gut auf der Spur.

Die Windleuchte an der Scharbeutzer Promenaden-PlattformEs ist die erste, ausschließlich mit Wind betriebene Straßenlaterne. Inzwischen wurde sie am 2. März 2017 auch ganz offiziell ihrer Bestimmung übergeben, obwohl sie schon seit einiger Zeit fleißig ihren Dienst tut.

Die Scharbeuter Installation ist die erste an der Ostseeküste und die Nummer fünf der bisher aufgestellten Pilotanlagen insgesamt. Wie sie sich bewährt, soll nach einem Jahr ausgewertet werden.

Die Leuchte funktioniert völlig autark, das heißt, ohne einen Anschluss an das Stromnetz. Der lautlose Rotor speist durch Windenergie eine 14 Watt LED-Leuchte.

Wann sie Licht spendet kann frei programmiert werden. Zurzeit sind es fünf Stunden, die aufgrund der Daten einer eingebauten Mondphasen-Uhr gesteuert werden.

Darüber hinaus ist die Leuchte sturmsicher und wartungsfrei, es müssen keine Leuchtmittel gewechselt werden und die Anlage reinigt sich selbst.

Und wenn - was an der Küste zwar selten vor kommt - einmal kein Wind weht? Dann bringt sie zehn Tage immer noch volle Leistung durch eingebaute Akkus. Und auch danach schaltet sie sich nicht gleich ab, die Leistung wird lediglich nach und nach weniger.

Premiere, Musteranlagen, Anschaffungskosten und Blick in die Zukunft

Gebaut wurde das kleine technische Wunderwerk von der Noordforce GmbH, die ihren Sitz in Wahlstedt, in der Nähe von Bad Segeberg, hat und 2016 einen Prototyp zum ersten Mal auf der weltweit größten Messe für Licht und Gebäudetechnik „Light & Building“ in Frankfurt präsentierte.

Musteranlagen wurden im Sommer 2016 bereits in Stipsdorf, ebenfalls in der Nähe von Bad Segeberg und eines der windärmsten Gebiete in Schleswig-Holstein, sowie auf Juist und an weiteren Standorten in Nordfriesland installiert.

Die Anschaffungskosten liegen bei 2000 bis 3000 Euro. „Wir hoffen, dass das von innogy gesponsert wird“, wünscht sich Bürgermeister Owerien.

Er kann sich durchaus weitere netzunabhängige Leuchten im Gemeindegebiet vorstellen. „Es gibt Orte, wie beispielsweise in Schulendorf, wo aus diversen Gründen keine Kabel gelegt werden können und der Einsatz dann sehr effektiv sein könnte, um die Schulbushaltestelle dort auszuleuchten.“

Realisiert wurde das Promenaden-Projekt von der Gemeinde in Zusammenarbeit mit innogy, der Gesellschaft für erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb, die seit Mitte 2016 unter diesem Namen als RWE-Tochterkonzern firmiert, nachdem der Konzern sich geteilt hat. (Beim Mutterkonzern RWE verblieben danach die konventionellen Felder Kohle, Gas und Atom.)

Zusammenarbeit Gemeinde Scharbeutz und innogy

Die Zusammenabreit der Gemeinde Scharbeutz mit dem RWE-Konzern besteht seit 2012. Damals wechselte die Gemeinde vom bisherigen Stromanbieter e.on zu RWE. Seit 2014 betreibt man auch gemeinsam die „Scharbeutzer Energie- und Netzgesellschaft“. (Gleiches gilt im Übrigen für Timmendorfer Strand, sowohl für den Stromanbieter als auch als Netzgesellschaft „Energieversorgung Timmendorfer Strand“.)

Seit den ersten Tagen ist Dietmar Schindowski als Kommunalbetreuer – zunächst für RWE, jetzt für innogy – in den Regionalbüros vor Ort und Mitglied in den jeweiligen Energiebeiräten.

„Wir haben dort schon einige gemeinsame Projekte in den Bereich regenerative Energie und Schonung von Ressourcen entwickelt“, berichtet Bürgermeister Volker Owerien. Als Beispiele nennt er für Scharbeutz unter anderem die E-Bike-Ladestationen, ebenso wie E-Bikes für Verkehrsüberwacher und die Umstellung auf LED-Beleuchtung beim DLRG-Haus.

Bei deren offizieller Inbetriebnahme die ersten windbetriebenen Beleuchtungsanlage an der Ostseeküste waren eine ganze Reihe von Vertretern anwesend waren, die an der Pilotanlage beteiligt sind (von links): der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien, die innogy-Vertreter Dr. Lothar Oelert, Dr. Silke Katharina Berger, Dietmar Schindowski sowie Ralf Liedke (Nordneon GmbH, Vertrieb), Peer Langemak (Noordforce, Hersteller) und Helmut Grawe, innogy Projektleiter. Foto: © Brigitte Arms

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