Wäre es eine Bundes-, Landtags oder Kommunal-Wahl gewesen … man hätte sicherlich von einem „Erdrutsch-Sieg“ gesprochen.

Bettina Schäfer hat als parteilose Kandidatin die Stichwahl zur Neubesetzung des Bürgermeister-Amtes in Scharbeutz am Sonntag, 20. Oktober 2019, mit 62,3 Prozent der abgegebenen Stimmen sehr eindeutig und in allen Wahlkreisen für sich entschieden.

Die gegenwärtige Chefin des Bauhofs in der Gemeinde, wird damit am 1. Februar 2020 den Chefsessel in der Scharbeutzer Verwaltung von Bürgermeister Volker Owerien, der die Gemeinde 18 Jahre lang führte, übernehmen.

Ihr Mitbewerber Andreas Zimmermann, der von der CDU, der WUB, den Grünen und der FDP in Scharbeutz unterstützt wurde, kam auf 37,7 Prozent.

Wermutstropfen Wahlbeteiligung und unschöne Ereignisse im Umfeld der Wahl

Ein immerwährender Wehrmutstropfen … die Wahlbeteiligung. Wahlberechtigt waren 10.052 Einwohner, zur Wahl gingen lediglich 4.636. Sachlich betrachtet, interessierte es offensichtlich eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger nicht, wer der Verwaltung in der Gemeinde in Zukunft vorsteht.

Kritisiert wurde von vielen Gästen und letztendlich auch vom amtierenden Bürgermeister Volker Owerien in seiner offiziellen Rede zur Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses, die unschönen Vorkommnisse in den Sozialen Medien.

Er sagte: „Was gerade so in den letzten zwei bis drei Wochen über die Sozialen Medien, insbesondere über facebook teilweise gepostet wurde, ja, ich glaube, das war in einigen Fällen schon sehr grenzwertig und war weit, weit entfernt von sachlicher Kritik oder einer angemessenen Diskussions- und Streitkultur. Viele, viele Kommentare, die die Welt einfach nicht braucht.“

Der daraufhin aufbrausende Applaus zeigte, dass er damit wohl vielen aus der Seele sprach.

Der Scharbeutzer Dorfvorsteher, Michael Pätau, griff später im Interview mit Jan-Taken de Vries bei der Live-Übertragung von pönitz.tv dieses Thema auch noch einmal auf. Ergänzend zu den facebook-Vorfällen war von ihm zu erfahren, dass es auch ganz analog zu unliebsamen Zwischenfällen, wie das Abreißen von Plakaten oder die Entwendung eines Stützrades von einem Werbeanhänger von Bettina Schäfer gekommen sei. „Das muss echt nicht sein“, sagte er mit Nachdruck.

Das schmälert jedoch nicht den Sieg der Gewinnerin, die ihren Erfolg zunächst gar nicht richtig fassen konnte. „Ich bin unglaublich dankbar“, sagte sie in einem kurzen Interview mit Jan-Taken de Vries. Durch den Tag getragen hätten sie ihr Sohn und ihre Schwester, die auch am Wahlabend die ganze Zeit neben ihr gestanden haben ebenso wie die vielen Freunde, die sie unterstützt haben und die vielen Nachrichten, die sie erhielt.

Sehr angetan von der professionellen Übertragung (wozu auch sämtliche Vorstellungsrunden gehörten), ergänzte Bettina Schäfer: „Ich fände es toll, wenn wir diesen Streaming-Dienst auch für die öffentlichen Sitzungen hinbekämen, damit noch mehr Menschen an der Politik teilhaben könnten.“

Wo eine Siegerin, da auch ein Verlierer

Die Enttäuschung des Gegenkandidaten sowie seiner Unterstützer ist sicherlich nachvollziehbar. Andreas Zimmermann, der als amtierende Bürgermeister der Gemeinde Ahrensbök ins Rennen gegangen war, zeigte Größe.

Als sich seine Niederlage schon vor der Auszählung der letzten Wahlkreise abzeichnete, reichte der der zukünftigen Scharbeutzer Bürgermeisterin nicht nur die Hand, er umarmte sie auch herzlich. Dass sie diese Geste sehr gefreut hat, erwähnte Bettina Schäfer ebenfalls in ihrem Interview.

Andreas Zimmermann, der von seiner Frau Martina und seinem Sohn Dennis begleitet wurde, scheute ebenfalls nicht den Gang vors Mikrofon. Natürlich sei er angetreten, um zu gewinnen, aber: „Wer verliert, wer stolpert, muss aufstehen“, fasste er seine Gefühlslage zusammen und ergänzte: „Ich bin schon wieder aufgestanden und kann Bettina Schäfer nur noch einmal gratulieren. Sie hat einen tollen Wahlkampf gemacht und heute verdient gewonnen.“

Er habe Fehler gemacht, gab er zu, ohne sie weiter zu erläutern und natürlich brauche er nun einige Tage, um das alles zu verarbeiten. Dennoch geht sein Blick positiv nach vorne. Auch in Zukunft gibt es Berührungspunkte mit der neuen Scharbeutzer Bürgermeisterin. „Nicht nur deswegen war es mit wichtig, hier fair miteinander umzugehen und das ist uns Kandidaten gelungen“, so Zimmermann.

Volkes Stimme im ersten Wahlgang und Eindrücke aus dem Friseursalon

In der ersten Runde zur Bürgermeister-Wahl, am 22. September 2019, hatte die Scharbeutzer SPD mit Steffen Davids, Referent der Sozialministerin in Schwerin, einen eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt, der bei der ersten Wahlrunde beachtliche 26 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielt. Für die Stichwahl am 20. Oktober 2019 hatte die SPD keine Wahlempfehlung abgegeben.

Als vierte Bewerberin, die ebenfalls parteilose Dorit Klees, Bauamtsleiterin der Gemeinde Scharbeutz, erhielt 8,1 Prozent der Stimmen.

Und um das Klischee zu bedienen, dass man im Friseursalon so einiges hört, waren ein, zwei Bemerkungen von Dorfvorsteher Michael Pätau. Insider wissen, dass der Salon Pätau seit Jahrzehnten in Scharbeutz beheimatet ist. Was er so hörte? Nur kurz angerissen von ihm selbst im Interview, dass man sich dort schon darüber unterhalten hätte, Bettina Schäfer zu wählen. Wenn auch manchmal mit dem Hintergrund „mal eine Frau zu wählen“.

Alle Ergebnisse und alle Live-Übertragungen im Internet

Sämtliche Ergebnisse detailliert sind auf der Internetseite der Gemeinde Scharbeutz nachzulesen, über die Stichwahl vom 22. Oktober 2019 und auch über den ersten Wahltag am 20. September 2019 mit allen vier Bewerbern.

Ebenso kann man sich auch alle Live-Stream-Übertragungen der Vorstellungsrunden und der Übertragungen mit den Interviews der Wahltage noch einmal ansehen.

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