Die Neujahrsempfänge in Scharbeutz waren immer gut besucht, so auch am Samstag, 11. Januar 2020 - und doch war einiges anders als sonst.

Da war zunächst der Ort der Veranstaltung. Der große Saal im Kurparkhaus stand wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten nicht mehr zur Verfügung. So traf man sich in der festlich geschmückten Turnhalle der Ostsee-Grundschule.

Bürgermeister Volker Owerien sparte nicht mit Lob: „Die Gestaltung der ansonsten doch eher tristen Turnhalle für den heutigen Empfang ist absolut gelungen“, sagte er und bedankte sich ausdrücklich bei seiner Sekretärin, Claudia Rieper, die immer nur gesagt hätte: „Chef, darum brauchen Sie sich überhaupt nicht kümmern, lassen Sie mich mal machen.“ Ebenso bezog er die Haffkruger Eventfirma „Die Event-Gestalter“ mit Stefan Schröder mit ein. „Ihr habt euch bestens gekümmert“, so der Bürgermeister.

Doch vor den Reden von Bürgervorsteher Peter Nelle, der wie immer die große Gästeschar der offiziellen Vertreter aus Kommune, Land, Kreis und Bund namentlich begrüßte, und von Volker Owerien mit Rückblicken auf Vergangenes und Vorschau auf Kommendes, hatten beide zahlreiche Hände am Eingang beim Eintreffen der Gäste zu schütteln.

Die aufgestellten Tische und Stühle waren sehr schnell besetzt, dennoch riss der Besucherstrom nicht ab und so standen am Ende viele Gäste zwischen den Gängen, sodass fast kein Durchkommen mehr war.

Dieser Neujahresempfang war schon etwas Besonderes, da viele Menschen auch die Gelegenheit nutzten, ihrem Bürgermeister, der 18 Jahre lang die Geschicke des Ortes geleitet hat, ihren Respekt zu zollen.

Seine offizielle Verabschiedung wird zwar erst Ende Januar stattfinden, dennoch spürte man bei diesem Empfang schon, dass mehr als nur eine Amtszeit zuende geht.

Das sprach auch Bürgervorsteher Peter Nelle (Bild rechts) an, der vorausblickend sagte: „Ich bezeichne Ihre Amtszeit als ‚Ära Owerien’, denn in der Gesamtheit Ihres Wirkens wurde für Einwohner und für Touristen eine begehrte Infrastruktur geschaffen“, so der Bürgervorsteher.

Er selbst, führte weiter aus, erinnere sich noch gut an den ersten Wahlkampf von Volker Owerien. „Da stand jemand vor meiner Tür, der mir Vorstellungen vermittelte, die sich mit meinen deckten.“ Einer der Gründe, warum Peter Nelle die Überlegung, sich in der Gemeinde zu engagieren, in die Tat umsetzte.

Scharbeutz habe sich so gut entwickelt, dass es inzwischen in aller Munde und ein begehrtes Urlaubsziel, ebenso wie ein attraktiver Lebens- und Wohnort sei. Volker Owerien, so führte Peter Nelle weiter aus, habe nie das Wohl der Gemeinde aus den Augen verloren, obwohl - auch dass wolle er nicht verhehlen – es auch Kämpfe gegeben habe.

Der neuen Bürgermeisterin, die am 1. Februar 2020 ihr Amt antritt, gab Peter Nelle mit auf den Weg: „Nun sind Sie, Frau Schäfer, unsere Zukunft.“

Nachdenkenwertes zum Redebeginn

Volker Owerien begann seine Rede mit Überlegungen, welche Möglichkeiten, aber auch Risiken das neue Jahr und die nächste Dekade mit sich bringen.

„Die Lage in Deutschland ist auch zum Jahreswechsel 2019/2020 eigentlich gut und im internationalen Vergleich ist Deutschland ein reiches, sicheres und soziales Land“, fasste er zusammen.

Dennoch sei die Stimmungslage vergleichsweise schlecht. Im politischen und medialen Diskurs würde Deutschland nicht selten als ein von „Notständen“ geprägtes Land dargestellt.

„Durch solche verbal völlig übertriebene Problemdarstellungen, die sicherlich in unterschiedlicher Ausprägung auch gegeben sind und gelöst werden müssen, werden unnötig große Ängste geschürt“, warnte der Bürgermeister.

Um solchen verbalen Krisenszenarien entgegenzuwirken, sollte man, wo immer man kann, „in sachlicher Auseinandersetzung, aber auch mit Mut, Zuversicht und einem entsprechenden Selbstbewusstsein die notwendigen - manchmal auch unpopulären - Entscheidungen herbeiführen“.

 

Scharbeutz – eine attraktive Gemeinde für Familien, Kapitalanleger, Unternehmen und Touristen

Ohne den Anteil des Tourismus an der Entwicklung der Gemeinde zu schmälern, richtete Volker Owerien den Fokus für die Ausgangslage und damit auch die Basis für Investitionen auf wichtige Infrastrukturentwicklungen für die Bürgerinnen und Bürger.

„Schulen, Kindertagesstätten, Wohnungsbau und Einzelhandel tragen dazu bei, dass die Gemeinde Scharbeutz bei der Wohnortwahl vieler Menschen, aber auch bei der Standortwahl von Unternehmen eine sehr hohe Priorität genießt“, nannte er einige Beispiele.

Seine folgenden Ausführungen (Anmerkung: die hier komplett nachzulesen sind) zeigten, was sich alles getan hat, so wie bei die Schaffung von Wohnraum, zu dem auch der wichtige Aspekt bezahlbarer Wohnraum gehört, nicht nur im Ortskern, sondern mit vielen Projekten ebenso im Binnenland.

Diese und andere Maßnahmen mit alle ihren Facetten binden nicht nur Kaufkraft in der Gemeinde, dem Gemeindehaushalt bescheren sie dabei zusätzliche Einnahmen in Form von Steuern und Gebühren.

Investitionen und eine nicht enden wollende Geschichte

Investiert wurde auch in die Bereiche Sicherheit, schwerpunktmäßig bei den Feuerwehren, mit einem neuen Parkleitsystem in die Verkehrsinfrastruktur sowie weiter in die Kindertagesstätten.

Die Haffkruger können sich nach der Grundsteinlegung für das neue Kurparkhaus, das „Haffhuus“, auf eine voraussichtliche Fertigstellung zum Jahresende freuen, wenn das Wetter weiter mitspielt und die Jugendlichen in der Gemeinde scheinen offensichtlich mehr als zufrieden mit der neuen Skateranlage gegenüber der Jugendherberge am Strand zu sein.

Heiterkeit machte sich breit, als Volker Owerien auf das anscheinend nicht endende Thema „Hotelbau in Haffkrug“ zu sprechen kam. Es seien weiterhin alle daran interessiert, das Projekt umzusetzen, die vom Gericht gegen einen Baubeginn angeführten Gründe konnten inzwischen auch aufgearbeitet und widerlegt werden, aber es bliebe die Entscheidung im Hauptsachverfahren abzuwarten.

Einen zeitlichen Rahmen könne man dabei nicht nennen. „Auf das Ergebnis einer Eilentscheidung haben wir auch zwei Jahre gewartet“, erinnerte der Bürgermeister an ein Thema in der Vergangenheit.

„Da niemand weiß, wie lange nun die Entscheidung im Hauptsachverfahren dauern wird, haben die Investoren einen neuen Bauantrag auf Basis der vorherigen und nicht mehr beklagbaren Bauleitplanung eingereicht.“

Erfreulicher zeigt sich die Lage bei der für Haffkrug geplanten Beach-Lounge, die bis zur Saison auf Höhe des bisherigen Restaurants „Aalkate“ entstehen soll. „Dafür müssen wir keine eigenen Mittel aufwenden, ein Investor ist gefunden und auch die notwendigen Genehmigungen der Unteren Naturschutzbehörde liegen bereits vor“, erfuhren die Gäste.

Was die Neubauten der Seebrücken in Scharbeutz und Haffkrug betrifft, ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Zwar konnten nach Einholung etlicher Gutachten die Förderanträge fristgerecht an das zuständige Ministerium übersandt werden, nach Dauer der dortigen Prüfung wird ein Baubeginn Ende des Jahres oder aber auch erst 2021 möglich sein, da unter Berücksichtigung der Schweinwal-Population nicht zur jeder Jahreszeit im Wasser gebaut werden könne.

Volker Owerien zeigte sich auch erfreut über die finanzielle Lage der Gemeinde, die er an vielen Beispielen und mit den dazu erforderlichen Zahlen vorstellte. Trotz dieser eher trockenen Materie gab es an einigen Stellen Zwischenapplaus.

Kaufmännisch bzw. betriebswirtschaftlich sei der Gemeindehaushalt derzeit und auch für die künftigen Jahre solide aufgestellt. Es seien gute und richtige Entscheidungen der Damen und Herren der Gemeindevertretung gewesen, gerade in Zeiten von gegebenen Fördermöglichkeiten und niedrigem Zinsniveau zu investieren, um die Gemeinde rechtzeitig zukunfts- und wettbewerbsfähig aufzustellen.

Mit einigen persönlichen Anmerkungen zum Loslassen von einem Amt, das er so lange inne hatte, beendete Volker Owerien seine Ansprache. „Die Entscheidung nicht mehr für eine vierte Amtszeit zu kandidieren, ist mir nicht leicht gefallen“, gab er offen zu und schloss mit den Worten: „Es war mir eine Ehre, Ihnen und unserer Gemeinde Scharbeutz dienen zu dürfen.“

Für diese, seine letzte Rede, aber sicher auch für ihn als Bürgermeister, spendeten die Anwesenden lang anhaltenden Beifall.

Diese Sympathiebekundung nahm Volker Owerien sichtlich bewegt entgegen, um schließlich noch ein letztes Mal als Bürgermeister mit dem Bürgervorsteher das Glas zu erheben.

Alle veröffentlichen Bilder: © luebecker-bucht-regional.de

                                          

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