Noch ganz frisch im Amt war die Scharbeutzer Bürgermeisterin, Bettina Schäfer, Teilnehmerin beim Hansetalk am 13. Februar 2020 im Hansemuseum in Lübeck. Eingeladen hatten die Lübecker Nachrichten.

Zusammen mit Bettina Schäfer saßen auf dem Podium Christian Martin Lukas (Geschäftsführer der LTM), Axel Flasbarth (Mitglied der Lübecker Bürgerschaft der Grünen), sowie Sven Hollesen (Chef der Planet-Haus AG und Ferienhaus-Investor am Priwall).

Bei der Gesprächsrunde ging es um den Wirtschaftsfaktor Tourismus, die künftige Strategie der Hansestadt und der Ostseebäder sowie um Konflikte mit Einwohnern oder beim Naturschutz und wann die Entwicklung an Grenzen stößt. Kurz gefasst - und so auch in den Lübecker Nachrichten angekündigt - um das Schlagwort „Overtourism“.

Im Publikum saßen darüber hinaus Schülerinnen und Schüler der Lübecker Dorothea-Schlözer-Schule, die im Unterricht das Thema „Tourismus und seine Folgen“ behandeln und einige Fragen an die Diskussionsteilnehmer vorbereitet hatten.

Gastgeber und Ort ließen darauf schließen, dass Lübeck und Travemünde im Mittelpunkt des Interesses standen. Die Nachberichterstattung in den LN konzentrierte sich daher auf den Priwall und dass der dänische Investor Hollesen unter anderem jetzt an der sogenannten Kohlenhofspitze auf den ursprünglich geplanten Neubau eines Hotels verzichtet.

Bettina Schäfer wurde mit einigen kurzen Sätzen zur Fehmarnbelt-Querung und über die Müllvermeidung am Strand zitiert. Sie hatte aber einiges mehr zu sagen.

Hinterm Lübecker Horizont geht es weiter

LN-Chefredakteur Gerald Goetsch freute sich jedenfalls sehr, dass die Scharbeutzer Bürgermeisterin dabei war und gab zu: „Wir vergessen als Lübecker gerne mal, dass es hinter Lübeck und Travemünde noch weitergeht mit der Lübecker Bucht.“

Auf den freundlichen Einwurf von Bettina Schäfer: „Und da ist sehr schön“, bestätigte de LN-Redakteur, dass sich sehr, sehr viel getan habe, wie auch in Travemünde. „In den letzten zehn Jahren“, resümierte er, „haben wir eine Dynamik, die vorher so überhaupt nicht da war.“ Seit 30 Jahren lebe er hier und die Zeiten von „ein bisschen Waschbeton und draußen nur Kännchen“ seien wohl vorbei. Es habe sich unheimlich viel getan, auch in Scharbeutz und so bat er Bettina Schäfer um eine Beschreibung, wie sich fast alle Touristikorte verändert haben.

Die letzten zehn bis fünfzehn Jahre betrachtend bescheinigte Bettina Schäfer der Gemeinde Scharbeutz, „aus einem Dornröschen-Schlaf erwacht zu sein“, in denen die Bürgersteige am späten Nachmittag hochgeklappt wurden.

Bettina Schäfer fand offensichtlich Anklang - hier bei Christian Martin Lukas vom LTM und Lars Fetköter von den LN.

 

„Scharbeutz hatte damals niemand auf dem Zettel“, so die Bürgermeisterin, „aber inzwischen hat sich der Ort zu einer Marke und zu einer Top-Destination entwickelt.“ Dazu habe die Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (TALB) beigetragen und sie habe den Eindruck, dass auch die Bürgerinnen und Bürger hinter dem Ort stehen.

Stellvertretend dafür sprach sie Stefan Wolf an, der die facebook-Gruppe „We love Scharbeutz“ ins Leben gerufen hat und im Publikum saß. Dazu „outete“ sich gleich Gerald Goetsch: „Die Videos von Herrn Wolf gucke ich auch immer und frage mich, hat er nichts anderes zu tun, als am Strand rumzuhängen?“

Bettina Schäfer parierte charmant: „Er liebt eben seinen Ort“ und Stefan Wolf relativierte: „Das mache ich morgens früh.“

Nicht direkt angesprochen, aber als interessierter Zuhörer und einer der wenigen Gäste aus der Lübecker Bucht war Dirk Hellmann (Geschäftsführer der Hamburger Agentur Bajazzo) dabei, der seit 2003 unter anderem das Scharbeutzer Künstlerfestival organisiert.

LN-Redakteur Lars Fetköter fragte weiter und verrannte sich ein wenig in der Fragestellung: „Sie sprechen die Marke Scharbeutz an. Wie wichtig ist es, dass Timmendorf eine Marke hat, Scharbeutz eine Marke hat, Travemünde eine Marke hat, irgendwie auch ein Alleinstellungsmerkmal mit den Porsches, die im Rondell parken und einen Menschen, der in Timmendorf sehr viel Ärger hat“, wobei es vermuten ließ, dass es um die medial breit berichteten Querelen zwischen dem Timmendorfer Bürgermeister und Politik ging. Auf den Punkt kam er dann doch – irgendwie – „ob es denn wichtig sei, dass man eine gemeinsame Marke Lübecker Bucht schaffe“, da er schon glaube, dass man Synergieeffekte nutzen kann.

Bettina Schäfer konkretisierte: „Timmendorf kennen mittlerweile ganz viele und können auch zuordnen, wo das in Deutschland liegt, da gibt es Studien und Umfragen.“ Bei Berlin und München klappe das wahrscheinlich auch noch ganz gut, aber – so ihr schmunzelndes Fazit: „Bei Scharbeutz ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.“

„Nichtsdestotrotz“, ergänzte sie sachlich, „sollte doch jeder Ort seine Eigenständigkeit und seinen Schwerpunkt behalten. In Timmendorf gehört der Porsche am Rondell vielleicht dazu, in Scharbeutz, haben wir einen anderen Augenmerk. Ich finde, unser Ort hat sich sehr gut entwickelt, wir haben einen qualitativen Tourismus auf den Weg gebracht, wir haben einen tollen Naturstrand.“ „Das Gesamtkonzept ist schon sehr stimmig, das wir da auf den Weg gebracht haben“, fasste Bettina Schäfer zusammen.

Zu viel Geld für den Neubau von Seebrücken?

Zum Thema Geld zeigte sich Goetsch erstaunt, was „Projekte kosten“ und führte die acht Millionen Euro an, die die neuen Seebrücken in Haffkrug und Scharbeutz kosten sollen und dass manche vielleicht denken, es wäre zu viel Geld.

Bettina Schäfer erklärte, dass abgesehen davon, dass die Chancen im Moment gut seien, weil es Fördermittel gebe, die diese Projekte stützen, Studien zeigten, dass die Investitionen sich nach vier, fünf Jahren amortisieren, weil sie die entsprechende Wertschöpfung zurückbringen.

„Die jetzigen Seebrücken sind abgängig, aber sie sind das, was die Menschen hierher zieht.“ Bettina Schäfer beschrieb es als Besonderheit und als „Titanic-Feeling“, wenn man vorne auf den Seebrücken stünde und einem der Wind um die Nase weht, was sie als gebürtige Nord-Rhein-Westfälin gut nachziehen könne.

Vor- und Nachteile des Tourismus und Auswirkungen der Fehmarnbelt-Querung

Bettina Schäfer mit den Gesprächspartnern beim Hansetalk
(v.ln.r.) Axel Flasbarth, Sven Hollesen und Christian Martin Lukas

 

Einig war man sich darin, dass der zunehmende Tourismus aber auch Nachteile mit bringe, was unter anderem Verkehr und Lärm angehe. Nach einigen beispielhaften und bekannten Ausflügen, welche Lösungen sich dafür anbieten, landete man auch bei der Fehmarnbelt-Querung.

Dazu lautete die Frage, basierend auf der bisherigen Berichterstattung, an Bettina Schäfer: „Sie haben sich so geäußert, dass sie davon ausgehen, dass die Fehmarn-Belt-Querung noch eine Weile aufgehalten wird und sie darauf hoffen, dass die schöne Bäderbahn dann noch weiter nach Scharbeutz fährt. Hoffen Sie darauf, dass die Fehmarnbelt-Querung erst sehr spät oder vielleicht gar nicht kommt?“

„Am besten gar nicht“, sagte die Bürgermeisterin. Für die Bäderorte sei es eine Katastrophe. Abgesehen von der Zerstörung der Natur und der massiven Beeinträchtigung der Wirtschaft, würde beispielsweise Haffkrug gleich von zwei Bahnen „eingegraben“, zusätzlich mit Lärm ohne Ende. Das würde ihrer Ansicht nach kein Ort ertragen.

Sie fügte ein kleines Rätsel an, nach dem Motto „finde den Fehler“, was es für den Tourismus, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger bedeute, wenn die Bahnhöfe gut drei Kilometer nach außerhalb verlegt würden.

„Das passt für mich definitiv nicht zusammen, in Zeiten, wo jeder nach Mobilität ruft.“ Man müsse sich Gedanken um alternative Antriebe machen, unter anderem für die Bäderbahn.

„Wir haben eine funktionierende Bahnstrecke, die man auch ertüchtigen könnte“, so Bettina Schäfer.

Überfüllte Orte und der Wunsch nach einem vernünftigen Verkehrskonzept

Ohne Zweifel müsse man in Sachen Verkehr etwas ändern. Der Unmut über überfüllte Innenstädte und Küstenorte nähme zu. Sie glaube jedoch: „die Einheimischen stören nicht die Besucher, sondern der Verkehr, der damit zusammenhängt.“

Sie könne nachvollziehen, dass man sich ein vernünftiges Verkehrskonzept wünsche, ganz besonders, wenn man beispielsweise aus Hamburg käme, erst einmal drei Stunden im Stau gestanden hätte, um an die Ostseeküste zu kommen dann noch ewig lange durch den Ort nach einem Parkplatz suchen müsste, nur um an den Strand zu kommen.

Ihre Vision sei, dass man sich in Hamburg in den Zug setzen kann, im Bahnticket vielleicht schon die Kurtaxe enthalten ist und man die Chance hat, vom Bahnhof im 10-Minuten-Takt an seinen passenden Strandabschnitt zu kommen. Als Beispiel führte Bettina Schäfer an: „In den Skiorten geht es doch auch.“

Abgesehen vom Verkehr gab Christian Martin Lukas zu bedenken, wie viele Menschen ein Ort überhaupt verträgt. Die Lösung sieht er in einer besseren Lenkung der Besucherströme in „seiner“ Stadt und dort, aber besonders in den Ostseebädern die Nebensaison zu beleben.

Vielleicht war es dem zu Beginn angeführten ein wenig vergessenen Blick über den Lübecker Horizont hinaus geschuldet, dass hier nicht zur Sprache kam, dass gerade in dieser Hinsicht (Belebung der Nachsaison) die Orte in der Lübecker Bucht in den letzten Jahre enorme Fortschritte gemacht haben.

Was junge Leute bewegt – Antworten zu Parkplätzen, ÖPNV, Radwegen und E-Mobilität

Gleich zwei Fragen hatte die Emelie, Schülerin an der Lübecker Dorothea-Schlözer-Schule, an Bettina Schäfer: „Was meinen Sie genau mit hochwertigem Tourismus bzw. was kann man sich darunter vorstellen?“

Und weiter: „Sie haben kürzlich gesagt, Sie wollen neue Parkplätze bauen und den Tourismus hochwertiger gestalten. Das war für uns ein wenig widersprüchlich, weil wir uns gefragt haben, inwiefern der Ausbau von Parkplätzen mit dem Konzept „mehr Nachhaltigkeit in Scharbeutz“ vereinbar ist.“

„Der Ausbau von Parkplätzen ist in der Form von mir nicht so angesprochen worde“, antwortete die Bürgermeisterin und ergänzte: „Wir brauchen ganzjährig eine vernünftige Infrastruktur, das heißt auch, Parkplätze, ja, aber nicht, dass das der Ausbau ohne Ende wird, denn man darf nicht nur die Spitzen betrachten.“

Das würde ganz oft gemacht, obwohl im Mittel die Parkplätze sicherlich reichen. Der Ausbau von Parkplätzen habe definitiv keine Priorität, vielmehr müsse man zu einem vernünftigen ÖPNV kommen.

Der sei im Übrigen nicht nur für Gäste, sondern auch für unser Schülerinnen und Schüler und Bürgerinnen und Bürger, gerade in Scharbeutz mit seinem Binnenland, mindestens genauso wichtig.

„Wir haben Ortschaften“, konkretisierte sie, „da fährt von Freitagsmittag bis Montagsmorgen der letzte Bus überhaupt, wir haben Neubaugebiete, die sind nicht einmal an den ÖPNV angeschlossen.“ Da müsse man sich nicht wundern, wenn die Eltern ihre Kinder „bis ins Klassenzimmer fahren“.

Der ÖPNV sei also ein entscheidender Punkt, was Mobilität angehe, ebenso gälte das für den Ausbau von Radwegen. „Das muss ich definitiv nach vorne treiben“, ist das Ziel von Bettina Schäfer. Für sie heiße das aber – im Hinblick auf nachhaltigen und qualitativen Tourismus – auch darauf zu achten, was und wie etwas verbaut würde, zum Beispiel durch den Einsatz von nachhaltigen Stoffen, mit denen man Projekte jetzt schon zu 95 Prozent verwirklichen könne.

Auch über E-Mobilität müsse man sich viele mehr Gedanken machen. Bettina Schäfer gab offen zu: Ich bin nicht unbedingt der größte Freund von E-Mobilität.“ Keiner wisse, was aus den ganzen Akkus würde, die produziert werden.

Sie sähe eher Chancen beim Wasserstoff und sei da sehr engagiert unterwegs: „Das halte ich für eine Investition in die Zukunft, damit können Busse und auch die Bäderbahn mit einem nachhaltigen Konzept betrieben werden.“

Aufenthalts-Qualtiät und Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Verkehrsoptimierung

Besonders hinsichtlich Nachhaltigkeit sei es ihr aber ebenso wichtig, das Bewusstsein dafür bei allen zu schaffen, denn ziehe die Aufenthalts-Qualität nach sich.

So könne sie nicht nachvollziehen, vielleicht verstärkt, da sie selbst Nichtraucherin sei, dass Zigarettenkippen einfach mal eben weggeschnippt oder im Sand ausgedrückt und unter einem Sandhäufchen versteckt würden. „Zigaretten sind doch mittlerweise so teuer und angeblich gibt es immer weniger Raucher“, wunderte sie sich, denn „in Scharbeutz habe ich dieses Gefühl nicht.“

Allein im Zentrum seinen im letzten Jahr weitere 60 Groß-Aschenbecher installiert worden, daher könne sie einfach die Menge an Kippen, die trotzdem noch aufgesammelt würde, einfach nicht nachvollziehen.

Einmal abgesehen von den leidigen Kippen, gelte für die gesamte Natur, dass die Menschen einmal darüber nachdenken, was sie an Müll mitbringen und wie sie ihn entsorgen. Zur Unterstützung seien für diese Saison vier zusätzliche Strandkontrolleure im Einsatz, die immer wieder an das Bewusstsein der Leute appellieren, verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen. Und das gelte nicht nur für Scharbeutz.

Betonburgen, Überzahl an Ferienwohnungen und Kreuzfahrer

Gio, ebenfalls Schüler der Dorothea-Schlözer-Schule, schwenkte vom Umgang mit der Natur auf das Stichwort „Overtourism“ um und formulierte schonungslos gegenüber Sven Hollesen: „Wir möchten an den Strand, um uns zu entspannen, statt dessen sehen wir immer mehr Kreuzfahrtschiffe und Touristen und jetzt kommt bald die Betonburg BeachBay. Wir finden, dass Sie damit zum Thema Overtourism beigetragen haben und würden gerne wissen, was Sie dazu sagen.“

Investor Sven Hollesen (Bild rechts), der – wie häufig an diesem Abend - mit dem Ausfall seines Mikrofons zu kämpfen hatte, erläuterte ausführlich sein Konzept, die Vorgaben durch die Stadt, die Ausschreibung und den Verlauf der Vergabe bis zur endgültigen Entscheidung. Den „Vorwurf“ Betonburgen wollte er nicht gelten lassen: „Wenn du in BeachBay herumgehst, siehst du nur an vier von 54 Häusern Beton“, führte er aus und die seien durch Wettbewerber entstanden, wo er sich nicht durchsetzen konnte.

Ökonomisch seien diese vier „roten Bauten“ ein Desaster, aber das Konzept dennoch erfolgreich. Für „seine“ Häuser werde zwar auch Beton verbaut, der im Nachhinein aber hinter Holzfassaden verschwände. „Und wenn du mit einer Drohne über die Anlage fliegen würdest, könntest du sehen, dass alle Dächer begrünt sind“, ergänzte Sven Hollesen.

Außerdem seien Dünenlandschaften geschaffen worden, Wohnungen für ganzjährig beschäftigte Mitarbeiter, die fußläufig erreichbar wären und vieles andere mehr, was er zusammenfassend mit einer Infrastruktur beschrieb, bei der die Gäste ihr Auto abstellen und diverse Mobilitätsangebote vorfinden könnten, um sich umweltverträglich fortzubewegen.

Als Alleinstellungsmerkmal nannte Sven Hollesen auch den Rundweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang den Promenaden auf Travemünder und Priwall-Seite, wobei die Trave mit zwei Fähren gekreuzt werden könne. Diese Vision ist allerdings noch nicht ganz Wirklichkeit, da die „kleine“ Personenfähre bisher nur zweimal in einem kurzen Testbetrieb gelaufen ist und wann sie ganzjährig den Betrieb aufnimmt, noch nicht entschieden ist.

Problemfeld Ferienwohnungen

Das Thema Ferienwohnungen beschäftigt die Verantwortlichen in Lübeck und in den Orten der Bucht schon seit geraumer Zeit gleichermaßen.

Dabei ging es nicht nur um „heruntergezogene Rollläden“, die ganze Straßenzüge in der Nebensaison unbewohnt erscheinen lassen, sondern auch um die Genehmigung bzw. den Bestandsschutz für bisher nicht genehmigte Ferienwohnungen.

„Was unsere Orte betrifft“, sagte Bettina Schäfer, „will einfach keiner mehr das Gefühl haben, dass man zu bestimmten Jahreszeiten durch fast tote Orte fährt. Es muss also eine klare Entscheidung getroffen werden, wo will ich Tourismus haben und wo nicht.“

Das Problem sei, dass in der Vergangenheit auch in Wohngebieten Ferienwohnungen entstanden seien, die baurechtlich nicht genehmigt worden seien und wie man damit und mit neuen Wünschen in Zukunft umgehen wolle.

„Man muss mit den Leuten reden, die ihre Ferienwohnungen dort haben, denn nicht baurechtlich genehmigt heißt ja nicht, dass sie nicht angemeldet sind“, schilderte die Bürgermeisterin den gegenwärtigen Ist-Zustand.

Scharbeutz sei daher jetzt die B-Pläne insofern angegangen, dass man sie von der Beschlussfähigkeit noch einmal heruntergenommen und einen Arbeitskreis gebildet habe. „Denn die Hausbesitzer haben jahrelang darauf vertraut, dass sie ihre Ferienwohnungen dort betreiben konnten“, so Bettina Schäfer. Es sei vielleicht auch einigen nicht bewusst gewesen, dass diese Ferienwohnungen nochmal genehmigt werden mussten, da sie brav ihre Abgaben bezahlt hätten.

Der Arbeitskreis, in dem man mit den Fraktionen zusammensitze, soll das alles sauber abgearbeitet und ein Maßstab festgelegt werden, was als Tourismusgemeinde und was Lebensgemeinde gelten soll.

Schlussworte mit Zukunftswünschen

In ihrem – wie von jedem erfragten – Schlusswort fasste Bettina Schäfer zusammen: „Wir arbeiten alle gerade an touristischen Entwicklungskonzepten (TEK) für 2030 und ich wünsche mir, dass bis 2030 viele für die Natur getan wurde, dass wir die Blechlawinen in den Griff bekommen haben und dass die Ortsentwicklung, gerade was Haffkrug angeht, fortgeschritten ist und dass der Brückenschlag mit dem Binnenland gelungen ist.“

Zwei weitere wichtige Punkte seien nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger, dass ein vernünftiges Mobilitätskonzept auf den Weg gebracht sei, ebenso wie die Probleme der Mobilfunkabdeckung der Vergangenheit angehören würden.

Was das Thema Nachhaltigkeit beträfe, bekräftigte Bettina Schäfer noch einmal, dass das Bewusstsein dafür bei jedem einzelnen anfinge. Beispielhaft nannte sie dafür ein alltägliches Phänomen: „Fridays for future finde ich total toll“, sagte sie und ergänzte schmunzelnd: „Meinem Sohn sage ich allerdings, so lange er das mit seinem Mülleimer nicht organisiert bekommt, wird es schwierig.“

Sie bekräftigte noch einmal: „Nachhaltigkeit fängt bei uns allen an und hört bestimmt nicht im Tourismus auf. Und das würde ich mir wünschen, dass wir da eine Gesamtheit hinbekommen.“

Aus dem Publikum kamen zum Schluss keine weiteren Nachfragen, es ergaben sich aber viele Gespräche im „kleinen Kreis“ bei Getränken und Brezeln. Mitgenommen haben vielleicht alle das Schlusswort von Christian Martin Lukas, das sicherlich für die Ostseebäder genauso gilt wie für Lübeck und Travemünde. Er wünschte sich „mehr Freude“. Der Tourismus generiere sicherlich die Einnahmen, aber nicht, um die Touristen gegenüber den Einheimischen in Vorteil zu setzen, sondern alle Menschen (in allen Tourismusorten) glücklich zu machen.

Diese Internetseite benutzt Cookies. Um diese Internetseite nutzen zu können, müssen Sie diese Nutzung genehmigen. Weitere Informationen finden Sie in unser Datenschutzerklärung.

Ich akzeptiere Cookies von dieser Seite.

EU Cookie Directive Module Information