Harald Rothe, der seit 2009 die Timmendorfer Polizeizentralstation leitete, wurde am Freitag, 29. Januar 2016, nun auch offiziell aus dem Dienst verabschiedet.

Viele Kollegen der Polizei, der Feuerwehren, der Hilfsdienste sowie Freunde und Bekannte waren seiner Einladung ins Niendorfer „Atlantic“ gefolgt, um mit ihm und seiner Familie seinen Abschied zu feiern und der Übergabe seiner offiziellen Entlassung-Urkunde beizuwohnen.

Bereits Mitte Dezember vergangenen Jahres, bei seinem Urlaubsantritt vor seinem endültig letzten Arbeitstag am 31. Januar 2016, hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei sowie der Hilfsorganisationen in der Gemeinde ihn bereits mit einem außergewöhnlichen Oldtimer-Autokorso überrascht, für den sich Harald Rothe auch noch einmal die olivgrüne Uniform aus seinen Anfangstagen überstreifte, einschließlich der damals üblichen Kopfbedeckung, dem so genannten „Tschako“.

Harald Rothe bei seiner AbschiedsredeIn der aktuellen blauen Polizeiuniform begrüßte ein sichtlich nervöser Harald Rothe in Niendorf die erneut große Gästeschar: „Herzlichen Dank, dass ihr alle meiner Einladung gefolgt seid und Zeit für mich opfert, das ist nicht selbstverständlich.“

Eigentlich - erinnerte er sich -, stand er zu Beginn seiner fast 45-jährigen Karriere bei der Landespolizei zweimal kurz vor dem Rausschmiss; „Diese Chance wurde verpasst, aber ich glaube, ihr habt mich alle irgendwie ertragen.“

Er habe sich jedenfalls mit allen wohl gefühlt. Mitarbeiter und Vorgesetzte hätten dazu beigetragen, bei einer Polizei, die sich enorm verändert habe. „Der Umgang miteinander hat sich deutlich verbessert“, sagte Harald Rothe. So sei es heute selbstverständlich, dass anerkannt würde, dass man in diesem Beruf Dinge erlebe, mit denen man Probleme habe.

Ihm selbst habe man geholfen, als es ihm gesundheitlich nicht ganz so gut ging. Sein Vorgesetzter hätte ihn beispielsweise zu einer Kur gedrängt, die er damals dringend nötig gehabt habe, was er selbst aber so nicht erkannt habe. Daher einer seiner positiven Eindrücke: „Gerade im Gesundheitsmanagement hat man einen gewaltigen Sprung gemacht. Derartige Dinge hätten früher niemanden interessiert.“

Harald Rothe hat ausgerechnet, dass er 44 Jahre, vier Monate und ein paar Tage im Dienst war. „Ich habe es gern gemacht, aber jetzt ist es gut, dass es zu Ende ist“, so sein Resümee. Die Kolleginnen und Kollegen werde er schon vermissen und es seien ja auch einige Freundschaften entstanden. Er freue sich aber ebenso darauf, mehr Zeit für die Familie zu haben und sich mehr seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Weißen Ring zu widmen.

„Aus meiner Sicht, kümmert sich oft niemand um die Opfer von Straftaten“, erklärt er sein Engagement, im Gegensatz zu den Tätern, denen viel Aufmerksamkeit zu Teil würde, von der Polizei, der Justiz und der Presse.

Allen Kolleginnen und Kollegen wünschte Harald Rothe, dass sie immer gesund wieder nach Hause kommen mögen und seinem Nachfolger, Ralf Hutzfeldt, eine glückliche Hand bei der Leitung der Timmendorfer Dienststelle.

Viele Anekdoten und große Anerkennung von Heiko Hüttmann

Heiko Hüttmann (links) mit Harald Rothe.Die Entlassungsurkunde für Harald Rothe hatte Heiko Hüttmann im Gepäck. Der langjährige Leiter der Lübecker Polizeidirektion, der seit Oktober 2015 in Kiel das Führungsteam der Aufbauorganisation im Flüchtlingsbereich unterstützt, konnte aus einem reichen Fundus an Erinnerungen berichten.

Er habe vergeblich versucht, die Stellen über den Beinahe-Rausschmiss in der Personalakte zu finden, was sicherlich amüsant für die Anwesenden gewesen wäre. „Ich bin nur froh, dass es dazu nicht gekommen ist“, so Hüttmann, denn es habe ihm oft sehr viel Freude gemacht, mit Harald Rothe zusammenzuarbeiten.

„Ich habe Ihre Standfestigkeit und Ihren kühlen Geist, besonders in schwierigen Situationen bewundert“, bescheinigte er ihm. Die vielen Jahre zeigten auch die vielen Veränderungen in den mehr als vier Jahrzehnten.

„Als Sie als Polizeiwachtmeister 1971 Ihre Tätigkeit aufnahmen, gab es noch Polizisten, die mit Stahlhelmen auf dem Kopf geübt haben, wie man Handgranaten wirft und Vorgesetzte mit Schaftstiefeln, die von ihren Kriegserinnerungen erzählten.“

Viel Jüngere könnten sich ländliche Polizeidienststationen gar nicht mehr vorstellen, die lediglich mit einem Fahrrad als Dienstfahrzeug - wenn es hoch kam, mit Dreigangschaltung -, mit Wach- und Tätigkeitsbüchern und einer Schreibmaschine ausgestattet waren.

„Für eine Halterfeststellung mussten sie nachts in die Zulassungsstelle fahren und Karteikästen durchforsten“, nannte Hüttmann ein weiteres Beispiel, und kam dann zu den „Pusteröhrchen“, an deren Verfärbung man erkennen konnte, ob jemand zu viel Alkohol genossen hatte, um noch sicher fahren zu können.

„Das mit dem Pusteröhrchen erwähne ich hier besonders, weil das auch mit Ihnen zu tun hat“, erläuterte Heiko Hüttmann, da Harald Rothe diese Verfärbungen sehr streng interpretierte. Es habe keine Grauzone für ihn gegeben, sondern eine sehr konsequente Auslegung von verboten oder nicht verboten: „Sie haben es immer ganz genau genommen und hatten nie ein Problem damit, mit Ihrer Auffassung gegen den Strom zu schwimmen.“

Damit habe sich Harald Rothe nicht immer Freunde gemacht, dennoch sei er unbeirrt bei seinem Kurs geblieben.

Ob beruflich oder privat: „Ganz oder gar nicht“ – die Devise von Harald Rothe

Ganz oder gar nicht habe auch für den privaten Bereich gegolten. „Als Sie sich in den 1980er Jahren ein flottes Auto mit 143 PS zulegten, sind sie auch entsprechend sportlich gefahren“, plauderte Heiko Hüttmann aus dem Nähkästchen, auch wenn die Beifahrer am Ende kreidebleich ausgestiegen seien. „Zeitzeugen sitzen hier“, ergänzte er.

Ebenso sei Harald Rothe seinen Diesel gefahren, der danach angeschafft wurde, um kostensparend unterwegs zu sein, und bei dem die Überschreitung einer Drehzahl von 2000 schon etwas sehr Bemerkenswertes gewesen sei.

„So ist er nun einmal“, fasste Heiko Hüttmann zusammen, um dann noch hinzuzufügen: „Wenn Rothe joggte, dann olympiareif, wenn er Rad fuhr, dann in Tour-de-France-Manier.“ Da sein Hobby nun das Fotografieren sei, vermutete Heiko Hüttmann, dass er - was Ausrüstung und Qualität anbelange -, in absehbarer Zeit manchem Profifotografen mindestens das Wasser reichen könne, ihn wahrscheinlich aber überholen werde.

Konsequent auch gegen belächelte Widerstände

In aller Konsequenz sei Harald Rothe beruflich aber auch gegen die Vatertags-Exzesse in Timmendorfer Strand vorgegangen. Anfangs sei er bei der Anforderung der ersten Einsatz-Hundertschaft noch belächelt worden und das sei noch vorsichtig ausgedrückt. Der Erfolg habe ihm am Ende allerdings recht gegeben.

„Ihre eigene Auffassung von den Dingen hat Sie aber nicht zum Eigenbrötler werden lassen“, hob Heiko Hüttmann hervor. Im Gegenteil, jeder kenne ihn als ausgesprochen kommunikativ.

So habe Harald Rothe auch die Kommunikations-Teams in der Landespolizei maßgeblich mit aufgebaut und geprägt. „Wen wundert es“, erinnert sich Heiko Hüttmann, „dass auch dieses Thema zunächst ebenfalls belächelt wurde und man sich fragte, was das denn bringen soll.

„Als es aber im Rahmen einer Demonstration in Lübeck den Kommunikations-Teams nicht nur gelang, eine Straßenblockade erfolgreich ‚wegzusprechen‘, sondern die Blockierer auch noch dazu zu bewegen, die liegen gebliebenen Dosen und Tüten aufzusammeln, war auch hier der Bann gebrochen“, berichtete Hüttmann über die erfolgreiche Aktion.

Wahrscheinlich sei der Weg, den Harald Rothe gegangen ist, nicht immer einfach gewesen. Bei aller Entschlossenheit und Zielstrebigkeit habe er jedoch nie den Menschlichkeitsfaktor aus dem Auge verloren, für den er stets feine Antennen gehabt habe.

„Jetzt habe ich so viel Positives über Sie erzählt, da muss ich doch auch einmal etwas Negatives sagen“, leitete Heiko Hüttmann das Ende seiner Rede ein und berichtete: „Keksdosen oder Schokolade durften nicht in Ihrer Nähe sein, ohne dass man ständig darauf achten musste, dass sie nicht in Nullkommanichts weggefuttert wurden.“

Mit allen guten Wünschen für die jetzige „Zeit danach“ leitete Heiko Hüttmann dann zur Überreichung der Entlassungs-Urkunde über, die letztendlich nur noch eine Formsache war.

Persönliche Worte und Präsente von der Bürgermeisterin und der Feuerwehr

Bürgermeisterin Hatice Kara schenkte Harald Rothe eine Polizeistation aus Hoz.Im Anschluss verabschiedete sich Timmendorfs Bürgermeisterin Hatice Kara mit sehr persönlichen Worten und Dank für die gute Zusammenarbeit. Als kleine Erinnerung überreichte sie ihm eine Polizeistation in Miniatur aus Holz: „Damit du deine Zentralstation nicht zu sehr vermisst.“

Gemeindewehrführer Stephan Muuss brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Unser Miteinander hat Spaß gemacht und der kurze Dienstweg mit dem ‚Dorfsheriff‘ hat immer gut geklappt.“

Gutschein mit Beigaben von der Timmendorfer Feuerwehr.Als Abschiedspräsent der Feuerwehren überreichte er dem Ehepaar Rothe einen originell gestalteten Gutschein für eine Übernachtung im einzigen Fünf-Sterne-Plus-Hotel in Timmendorfer Strand. Einen extra großen Blumenstrauß für „die Frau an der Seite des Polizeihauptkommissars“ gab es natürlich noch zusätzlich von Heiko Hüttmann und dem Hemmelsdorfer Ortswehrführer Frank Miersen.

Damit war dem offiziellen Teil, mit sehr vielen privaten Momenten und Erinnerungen, Genüge getan. Im Anschluss saß man noch lange bei gutem Essen und persönlichen Gesprächen zusammen. Mit seiner Verabschiedung in den Ruhestand wechselt Harald Rothe jetzt auch ganz die Region, von seinem ehemaligen Arbeitsplatz an der Ostsee an seinen Wohnort an der Westküste.

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