Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Pastor Thomas Vogel am Sonntagmorgen, 5. Januar 2020, kam plötzlich, unerwartet und ist für die meisten immer noch unfassbar. Wie so häufig war er am Morgen zur Ostsee gegangen, um dort in die Fluten einzutauchen und Kraft für den kommenden Tag zu schöpfen.

Der Sonntags-Gottesdienst stand bevor und auf dem Weg dorthin, am Strand, scheint ihn ein Schwächeanfall ereilt zu haben. Die Feststellung einer natürlichen Todesursache erstickte schnell Spekulationen im Keim.

Mit einer Trauerfeier am Freitag, 17. Januar 2020, verabschiedeten sich zusammen mit seiner Familie viele Menschen vom ihm. Für einen großen Teil war er mehr als ein kirchlicher Begleiter und Seelsorger der Gemeinde, sie verbinden darüber hinaus ganz persönliche Erinnerungen mit dem Menschen, der vor 27 Jahren nach Timmendorfer Strand kam.

So füllte sich die Waldkirche mit ihren 350 Plätzen schon lange vor dem Beginn der Trauerfeier um 13 Uhr und vorausschauend hatten der Kirchenkreis und die Gemeinde den Gemeindesaal vorbereitet, wo weitere 150 Personen die Trauerfeier über eine Video-Leinwand verfolgen konnten.

So erklärte sich auch der Ü-Wagen von Pönitz TV, der neben der Waldkirche stand. Die Mitarbeit beschränkte sich ausschließlich darauf, die Gedenkstunde in den Gemeindesaal zu übertragen.

Zu den Begleitern auf dem letzten Weg von Thomas Vogel gehörten Vertreter aus dem öffentlichen Leben, von der Politik über Wirtschaft und Tourismus bis hin zu Vereinen und Verbänden, der Feuerwehren, der Hilfsdienste und Gemeindemitgliedern.

An diesem Tag überwog aber offensichtlich bei ihnen die persönliche Wertschätzung, wie auch bei den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die vielleicht nicht zu den regelmäßigen Kirchgängern gehörten, aber dennoch ihre Trauer und Verbundenheit zum Ausdruck bringen wollten.

Die ehemaligen Bürgermeisterin Hatice Kara, die als gute Freundin der Familie anwesend war, sprach das aus, was wohl viele dachten: „Es war viel zu früh.“

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, ebenfalls ein enger Freund der Familie, der seit seines Vikariats Pastor Vogel kennt, führte durch den Gottesdienst.

„Es sind einige Tage seit dem Tod von Thomas Vogel vergangen“, sagte er und abgesehen von den vielen organisatorischen Notwendigkeiten, hätte man wohl die Zeit gebraucht, um das Geschehene zu verarbeiten.

Ganz still wurde es, als um 13 Uhr die Glocke der Waldkirche schlug, begleitet von einem Geräusch, das sich wie ein Stampfen anhörte, als ob etwas die Endgültigkeit des Abschieds nicht wahrhaben wollte. Natürlich gibt es dafür eine rationale, technische Begründung. Mancher empfand es aber als ein Zeichen.

Im Anschluss zogen mehr als 30 geistliche Vertreter in die Kirche ein, dazu gehörten die Pröpste Peter Barz und Dirk Süssenbach und die Pastorinnen und Pastoren aus dem Kirchenkreis Ostholstein und der Kirchenregion Strand.

Landesbischof Meister hielt eine bewegende Rede. Er schilderte Thomas Vogel als nachdenklichen Menschen: „Nicht alles, was ihn berührte konnte der Außenstehende gleich entdecken. In der sichtbaren Begeisterung blieb er zurückhaltend. Er brauchte seine eigenen Räume, in denen er, wenn er Literatur las, Musik hört, begeisternd aufnahmen, was ihm geschenkt wurde.“

„Diese Waldkirche ist vielleicht der wichtigste Ort für ihn gewesen. Hier empfing er Gemeinschaft, hier konnte er verkündigen, was ihm selbst Halt gab.“, so der Landesbischof weiter. Er habe sich nach dieser Gemeinschaft gesehnt, auch wenn es vielleicht manchmal nicht ersichtlich gewesen wäre.

„An diesem Ort wäre er im Mai aus dem Amt geschieden“, erinnerte Ralf Meister und ergänzte: „Nach der enttäuschten Hoffnung, hier noch einige Jahre seinen Dienst versehen zu dürfen, bereitete er sich dann jedoch auf die Zeit danach vor.“

Vielfältig sähe man ihn vor sich: Als Zuhörer, der in der großen Aufmerksamkeit auf Musik oder bei einem Vortrag, manchmal weit weg zu sein schien.

Als verständigen Lehrer an vielen Orten, vom Konfirmandenunterricht über die Deutschstunden für Neubürger oder Asylsuchende, bis zum Professor an der Musikhochschule und als Forscher mit einem hellwachen historischen Bewusstsein.

So engagierte er sich beim Cap Arcona-Gedenken auf dem Friedhof in Timmendorfer Strand, ebenso wie bei der Gedenkstätte Ahrensbök und bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand.

Als interessierten Wegbereiter für eine interreligiöse Verständigung und als klugen Prediger auf der Kanzel, der „uns in seine theologischen Entdeckungen mit hineinnahm und berührte, manchmal aber auch überforderte und irritierte“, wie mit der mutigen Geste, eine Sure im Gottesdienst verlesen zu lassen.

„Wir sehen ihn an vielen anderen Orten und jede und jeder hat sein persönliches Bild von ihm im Herzen“, fasste es der Landesbischof zusammen.

Sein Beruf sei seine Berufung gewesen und seine Familie sein stilles Glück. „Vielleicht war die Annahme seines Hochzeitsantrages einer der glücklichsten Momente seines Lebens“, zitierte Ralf Meister die Ehefrau. Darauf wären mit der Geburt der drei Kinder weitere gefolgt. Geborgenheit und Freiheit … Worte, die Astrid Lindgren einmal über ihre eigene Kindheit gesetzt hätte, seien seine Leitworte für seine Haltung ihnen gegenüber gewesen.

Sehr früh habe sich Thomas Vogel mit der Endlichkeit des Lebens auseinandergesetzt und einige Dinge nicht nur im Privaten, sondern auch für die Trauerfeier geplant. Unter der Leitung von Jan Weinhold, einem langjährigen Wegbegleiter, wurden so von Thomas Vogel geliebte Bach-Kantaten vorgetragen.

Vor dem Schluss-Segen und dem Orgelnachspiel sang man gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“. In einer Strophe heißt es: „Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.“

Thomas Vogel sei uns „selig befreit“ vorausgegangen, formulierte der Landesbischof am Ende seiner Trauerrede und dankte „für die Jahre, die Gott uns mit ihm geschenkt hat, für den Segen, den er auf sein Leben gelegt hat“. Und letztendlich mit einem ganz persönlichen „Adieu, Thomas“.

Als der Sarg aus der Waldkirche getragen wurde, beugten alle die Köpfe und verstanden respektvoll, dass der allerletzte Weg zur Beisetzung der Familie vorbehalten blieb.

Es folgten viele Umarmungen und Gespräche beim anschließenden Zusammensein im Gemeindehaus, wo das Bugenhagenwerk kleine gastronomische Highlights setze. „So hätte er sich das bestimmt gewünscht“, war zu hören und wer genau hinsah, konnte auch ganz kleine Gesten erhaschen, als einige den Raum verließen und dabei noch einmal über das aufgestellte Bild streichelten, um still für sich noch einmal „Adieu“ zu sagen.

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