Für erhebliches überregionales Medieninteresse sorgte die Pressekonferenz der Tourismus-GmbH in Timmendorfer Strand am Freitag, 8. Februar 2012, zur geplanten neuen Bäderregelung, die ab Herbst dieses Jahres gelten soll. Neben der schreibenden Zunft waren auch mehrere Fernsehteams anwesend.

Anlass war ein Offener Brief an die Kirchen mit dem Absender: "Alle betroffenen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, alle Touristiker, alle Existenzen aus Handel und Gewerbe (sowie) unsere Gäste und Tagesgäste aus Travemünde, Timmendorfer Strand, Niendorf, Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf, Neustadt i. H., Grömitz, Kellenhusen, Dahme, Burg a. F., Heiligenhafen, Eckernförde."

„Dass die Geschäfte an den Sonntagen vom 1. November bis 15. Dezember geschlossen sind, war von allen akzeptiert. Aber die neue Regelung vom 1. November bis 15. März bedeutet, dass nicht mehr 1,5 Monate, sondern 4,5 Monate sonntags kein Anreiz mehr besteht, die Küstenorte zu besuchen“, fasste Joachim Nitz, der Timmendorfer Tourismus-Chef von Timmendorfer Strand, das neue Szenario zusammen.


Ihren Bedenken und Befürchtungen gaben mit ihm Touristiker sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden, Gewerbevereinen, vom Ostsee-Holstein Tourismus (OHT) und aller Fraktionen der Timmendorfer Gemeindevertretung über eine Stunde Ausdruck, die zum großen Teil persönlich anwesend waren.

Der große Wunsch aller ist, sich mit denjenigen, die eine für die Bäderorte so weit reichende Entscheidung getroffen haben, zusammenzusetzen und gemeinsam für die sehr stark betroffenen Orte einen „Kompromiss im Kompromiss“ zu finden. „Wir leben hundertprozentig vom Tourismus und  leisten damit auch einen erheblichen Anteil am Einkommen der Gemeinden, die damit Projekte abseits vom Tourismus finanzieren können“, lautete die übereinstimmende Meinung.

Moniert wurde auch, dass am Verhandlungstisch in Kiel keine örtlichen Vertreter und damit die direkt Betroffenen gesessen haben (womit nicht nur Timmendorfer Strand gemeint war).

In Timmendorfer Strand kam es zu einem Schulterschluss, dem viele Gespräche von Travemünde bis Eckernförde vorausgegangen waren, nachdem man aus Presse, Rundfunk und Fernsehen von der Entscheidung erfahren hatte. Gemeinsam ist ein offener Briefverfasst worden, indem dazu aufgefordert wird, sich mit seiner Meinung auch direkt an die Nordkirche (info@kl.nordkirche.de) oder das Erzbistum Hamburg (empfang@egv-erzbistum-hh.de) zu wenden.

Einig ist man darin, dass eine Änderung der bestehenden Bäderreglung wirtschaftlich katastrophale Folgen haben wird. Auch wer bei dem Argument, dass Arbeitsplätze verloren gehen, vielleicht abwinkt und es als allgemeines „Totschlag-Argument“ bezeichnet, wird sich der schlichten Erkenntnis nicht verschließen können, dass viele Mitarbeiter nicht mehr bezahlt und beschäftigt werden können, wenn die Umsätze einbrechen.

Es geht auch nicht nur um die Beschäftigten im Einzelhandel. Wenn die Orte in der Vor- und Nachsaison wieder zurückfallen in einen Status der absoluten Ruhe wie vor gut zehn Jahren, sind nachgeschaltet davon auch die Gastronomie und viele andere Gewerbetreibende betroffen.

Heinz Meyer, Vorsitzender der Aktivgruppe Timmendorfer Strand, brachte ein, dass der Anteil am Umsatz an den Sonntagen, je nach Ort, zwischen 40 und 70 Prozent liegt. „Nur darum können wir unsere Geschäfte auch in den umsatzschwachen Zeiten die ganze Woche über geöffnet halten“, so Meyer weiter.

Mark Burmeister, der Bürgermeister von Grömitz, rechnete vor, dass für seinen Ort mit 1,3 Millionen Übernachtungen nachweislich rund 130 Millionen Euro an Wertschöpfung über die Fremdenverkehrsabgabe eingenommen werden. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, was eine Einbuße von zwei oder drei Prozent bedeutet“, sagte er.

Seine Amtskollegin Ingelore Kohlert aus Kellenhusen wunderte und fragte sich: „Ich kann die Kirche nicht verstehen, warum graben sie sich die eigenen Quellen ab?“

Auch wenn neben den Kirchen andere Verhandlungspartner am Tisch gesessen haben, letztendlich sind es die Kirchen, die eine Klage eingereicht haben und anscheinend die Augen davor verschließen, welche Auswirkungen der Gerichtsentscheid zur erheblichen Reduzierung der Sonntagöffnungs-Zeiten in Mecklenburg-Vorpommern gebracht hat.

Uwe Kirchhoff, Tourismusdirektor in Travemünde, sieht außerdem Projekte gefährdet, bei denen sich Investoren einbringen wollen. „Die Planungen basieren doch auf den drei Säulen Übernachtungen, Einzelhandel und Gastronomie“, sagte er und dass doch niemand wollen könne, dass neben Arbeitsplätzen auch das Engagement von Investoren gefährdet sei.

Katja Lauritzen, Geschäftsführerin vom Ostholstein Tourismus (OHT), führt an: „Wir haben gerade unser Image ein wenig aufpoliert. Wir sind nicht mehr langweilig und verstaubt, die Menschen strömen in unsere Orte, die mit erheblichem finanziellem Aufwand ein modernes Gesicht bekommen haben. All diese Bemühungen werden nun konterkariert.“

Pastor Vogel aus Timmendorfer Strand, dessen Aussage: „Ist der Ort voll, ist auch die Kirche voll“, inzwischen zum geflügelten Wort geworden ist, mahnte allerdings an, das dünne Eis des Kompromisses nicht zu gefährden. „Der Blick nach Polen oder nach Rom wo rund um die Uhr die Geschäfte geöffnet sein können, nützt uns nichts“, sagte er im Hinblick auf die dort überwiegende katholische Bevölkerung. Dort seien die Sonntagsruhe nicht – wie in Deutschland – im Grundgesetzt verankert.

Ingelore Kohlert, die Bürgermeisterin von Kellenhusen, konterte im Laufe des Pressegesprächs dazu: „Es kann doch nicht angehen, dass man sich immer nur abduckt.“



Durch ihren Schulterschluss hoffen Vertreter von Tourismus, Gemeiden und Verbänden der von der neuen Bäderregelung stark betroffenen Orte zwischen Travemünde und Eckernförder auf ein psotives Signal auf ihren offenen Brief und einen Kompromiss im Kompromiss

V.l.n.r. Katja Lauritzen (OHT), Christian Lackner, (Tourismus-Agentur Lübecker Bucht), Ulrich Dede (Gewerbeverein Grömitz), Bürgermeister Mark Burmeister (Görmitz), die Bürgermeisterinnen Ingelore Kohlert (Kellenhusen) und Hatice Kara (Timmendorfer Strand), sowie die Touristiker Manfred Wohnrade (Heiligenhafen), Joachim Nitz (Timmendorfer Strand), Uwe Kirchhoff (Travemünde), Heinz Meyer (Aktivgruppe Timmendorfer Strand) und Jens Friedländer (Wirtschafsvereinigung Scharbeutz).

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