Seit gut zwei Jahren steht die Gründung der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht (TALB), einem Zusammenschluss der Küstenorte Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt zum 1. Januar 2013 immer wieder auf den Tagesordnungen der Ausschüsse, Gemeindevertreter-Sitzungen und Stadtverordneten-Versammlungen.

In der Hauptausschusssitzung in Scharbeutz, am Mittwoch, 24. Oktober 2012, kam es nun erneut zu langen, scharfen Wortgefechten zwischen den Befürwortern von CDU und Pro Scharbeutz, insbesondere mit Dr. Jörg Lohmann von der WUB, der für seine Fraktion die von Beginn an vorgeschlagene Doppelspitze, das heißt, mit den Tourismusdirektoren von Scharbeutz, Joachim Nitz, und Neustadt, Christian Lackner, als Vorstände sowie die Laufzeit von fünf Jahren nicht mittragen will, wie es in den vorliegenden Vertragsentwürfen vorgesehen ist.

Den Schlagabtausch verfolgten als Gäste aus Neustadt die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Katarina Clarus und Hauptamtsleiter Jens Mildner sowie aus Sierksdorf der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Weidemann.

 

Appelle der mit betroffenen Gemeinden Neustadt und Sierksdorf

?Wir sind heute gekommen, um zu sehen, wie Sie mit der Vertragsgestaltung umgehen?, sagte Katarina Clarus, nachdem ihr ein Rederecht eingeräumt worden war. ?Die Doppelspitze war auch bei uns ein Diskussionsthema?, führte sie aus, daher habe man sich in Neustadt auf die Formulierung ?die TALB hat einen oder mehrere Vorstände? geeinigt, ebenso wie auf eine Vertragslaufzeit von fünf Jahren.

Dass beim Zusammenwachsen alle die eine oder andere dicke Kröten schlucken müssten, machte Katarina Clarus an der knappen Neustädter Entscheidung für den Standort der TALB-Zentrale Scharbeutz fest, die in der Stadtverordneten-Versammlung Ende Juni 2012 mit einer Stimme Mehrheit getroffen wurde.

Auch Volker Weidemann sprach sich für die Beendigung der Streitigkeiten in Scharbeutz aus. ?Wir haben die großen Probleme, die Sie hier sehen, nicht gesehen?, sagte er und weiter: ?Wenn Sie unsere Vorstände so kurz beschäftigen wollen, wie Sie es beschließen wollen, werden Sie keine guten Vorstände haben.? Doch auch sein Appell: ?Lassen Sie uns gemeinsam den Fünf-Jahres-Weg gehen?, nützte an diesem Abend nichts.

 

Heftige Diskussionen und am Ende Terminverschiebung

 

Die Scharbeutzer Gemeindevertreter drehten sich in ihrer Diskussion im Kreis, wurden stellenweise laut und persönlich und tischten zum Schluss früher einmal getroffene Entscheidungen wieder auf, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hatten.

Schließlich einigte man sich erneut auf eine Vertagung der Entscheidung, diesmal auf Mittwoch, 31.10.2012. Für diesen Termin war ursprünglich eine Gemeindevertreter-Sitzung vorgesehen, die aufgrund der Uneinigkeiten in Sachen TALB auf Mittwoch, 21.11.2012 verschoben wurde.

 

Für den 31.10.2012 wurde eine nicht-öffentliche Sitzung des Hauptausschusses in Scharbeutz vereinbart, im inzwischen aktualisierten Sitzungskalender ist sie allerdings nicht aufgeführt.

Argumente aus den Scharbeutzer Tourismus- und Haupausschuss-Sitzungen


Der Fraktionsvorsitzende der SPD, Hans-Jürgen Poeppel, monierte: ?Nur eine winzige Minderheit hat eine Doppelspitze und zwei Vorstände vorgeschlagen und wir sind nie gefragt worden, ob wir das wollen oder nicht.? Jürgen Brede, ebenfalls von der SPD, ergänzte: ?Wir wollen schon die TALB, nur nicht mit einer so heißen Nadel gestrickt.?

Klaus-Jürgen Boyen (Pro Scharbeutz) und Christian Dwars (CDU) warfen den Gegnern vor, den gesamten Prozess der Bildung der TALB zu gefährden, indem sie auf einem Vorstand sowie zwei Jahren Laufzeit beharren und damit auch auszudrücken, dass sie den beiden vorgesehenen Vorständen, Lackner und Nitz, das Vertrauen und die Kompetenz absprächen.

Klaus-Jürgen Boyen appellierte vergeblich, sich an diesem Abend auf einen Kompromiss zu einigen, mit einer Doppelspitze und einer Vertragslaufzeit von vier Jahren. ?Es könnte sonst passieren?, ergänzte Christian Dwars, ?dass die beiden Vorstände unter den ungewissen Umständen bald nicht mehr zur Verfügung stehen und damit der Gesamterfolg gefährdet ist.?

Was bisher erreicht wurde und was ins Stocken gerät

Joachim Nitz und Christian Lackner haben zusammen mit der Sierksdorfer Tourismusdirektorin Andrea Hufnagel, die vor einigen Wochen krankheitsbedingt ausfiel, den Bildungsprozess von Beginn an mit gestaltet und bereits einige Projekte erfolgreich auf den Weg gebracht, vom gemeinsamen Gastgeberverzeichnis, über einen gemeinsamen Veranstaltungskalender bis hin zu einem gemeinsame Buchungssystem.

Ein gemeinsames Vertriebskonzept ist ebenfalls erarbeitet worden und selbst in der Standortfrage haben sich alle drei Orte auf das Kurparkhaus Scharbeutz als Zentrale geeinigt. Dort sollten ab Januar 2013 die Mitarbeiter aus Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt unter einem Dach arbeiten, wodurch alleine erhebliche Zeitverluste für die erforderlichen Abstimmungen entfallen würden. Dadurch, dass der Bildungsprozess weiterhin in der Schwebe ist, kann auch mit dem von den Scharbeutzer Gemeindevertretern beschlossenen Umbau des Kurparkhauses nicht begonnen werden.

In der Scharbeutzer Tourismusausschussitzung am Dienstag, 23.10.2012, wurde gleich zu Beginn der Tagesordnungspunkt ?Aufhebung des Sperrvermerks für die Ausstattung der TALB auf die nächste Sitzung verschoben worden, obwohl Joachim Nitz zu bedenken gab, dass durch eine erneute Verschiebung des Tagesordnungspunktes, die Zeit sehr knapp würde, um am 1. Januar 2013 mit der erforderlichen Ausstattung an den Start zu gehen.

Bürgermeister-Anregungen

 

Bürgermeister Volker Owerien bat die Gemeindevertreter in der kontrovers geführten Hauptausschussitzung am Mittwoch, 24.10.2012: ?Denken Sie nicht immer nur an die Vorstände, sondern auch an die Mitarbeiter, die seit Wochen in der Luft hängen.?

Zu Beginn der Sitzung hatte der Verwaltungschef von einem Telefonat mit seiner Amtskollegin aus Neustadt, Dr. Tordis Batscheider, berichtet, da es auch in der Stadtverordneten-Versammlung in Neustadt am Montag, 15.10.2012 zu Diskussionen gekommen und eine endgültige Entscheidung verschoben worden war. In Neustadt geht es allerdings nicht um Vorstände und Laufzeiten, sondern um die Verteilung der Kosten und Aufgaben.

?Wir haben beide den Wunsch?, so Volker Owerien, die TALB wie vorgeschlagen pünktlich starten zu lassen und den Willen, in allen Gremien eine Beschlussvorlage bis Mitte November herbeizuführen.?

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