"Wolkenlos" unter Himmelblau„Die Gemeinde Timmendorfer Strand ist stolz auf ein weiteres neues Wahrzeichen in der Lübecker Bucht“, brachte es Gudula Bauer, die erste stellvertretende Bürgermeisterin, auf den Punkt, bei der Eröffnungs-Vorpremiere für die Presse am Donnerstag, 10. Juli 2014, des Restaurants „Wolkenlos“ im Mikado-Teehaus auf der Seeschlösschen-Seebrücke.

Offiziell werden die Türen für alle Gäste am Montag, 14. Juli 2014, um 8.30 Uhr, geöffnet und damit kommt eine lange, wechselvolle Geschichte zu einem letztendlich doch noch guten Abschluss.

Man muss sicherlich kein Prophet sein, um zu erahnen, dass das strahlend weiße Gebäude in Pagodenform auf dem Seebrückenkopf in Zukunft ein sehr häufiges Fotomotiv sein wird.

Christian Kermel hat allen Grund zum Strahlen, des Teehaus mit dem Restaurant "Wolkenlos" wird jetzt eröffnet.„Es ist das einzige Restaurant, das an der westlichen Ostseeküste direkt auf dem Meer gebaut wurde“, sagte Christian Kermel, der Vorstandsvorsitzende der Vivialdi Hotelmanagement AG, deren Tochterunternehmen, die Pierhouse Betriebsgesellschaft mbH das Restaurant betreiben wird.

Gudula Bauer dankte in ihrem Grußwort unter anderem dem anwesenden Jürgen Hunke. „Ohne ihn“, so Gudula Bauer, „wäre dieses Gebäude in dieser Form sicherlich nicht erstellt worden.“

Als logistische Meisterleistung bezeichnete sie die Arbeit aller Beteiligten, innerhalb relativ kurzer Zeit, das ursprüngliche Konzept eines Teehauses mit Kunstausstellungen und einem kleinen Bistro zum Verweilen zu dem jetzt entstandenen Restaurant „Wolkenlos“ mit einer mehr als doppelt so großen Anzahl von Sitzplätzen umzugestalten und betriebsbereit zu machen.

Auf dem Wasser sitzen„Neben dem Restaurant und der dazugehörigen Terrasse ist ein Teilbereich des Brückenkopfes aber auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich, die dort das Seebrückenflair ausgiebig genießen kann“, versicherte sie abschließend.

Viele wird es jedoch, auch das kann man sich jetzt schon vorstellen, ins Innere ziehen.

„Die Einrichtung unterstreicht die maritime Note mit Tischplatten aus indonesischem Teakholz von alten Schiffsdielen und Dekor aus Treibholzgut“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

Über das Wasser gehen.Einmalig – vielleicht zunächst etwas gewöhnungsbedürftig - schließlich aber im positiven Sinn atemberaubend, sind die großen Flächen mit den eingelassenen Glasböden, die den Blick auf die Ostsee darunter freigeben und durch die Rundum-Verglasung ist das gesamte Restaurant von Licht durchflutet.

Auf das Wassser schauen.Tourismusdirektor Joachim Nitz war ebenfalls voll des Lobes und betonte noch einmal die nach wie vor aktuelle Bedeutung von Seebrücken. „Es sind nicht nur Flanierwege wie früher. Der Gast erwartet heute eine hohe Aufenthaltsqualität, die er genießen kann und die wir ihm mit der wunderschönen Situation, wie sie hier geschaffen wurde, optimal bieten können.“

Diese würde besonders von Gästen geschätzt, die in Großstädten wohnen und hier über das Wasser gehen können mit einem endlosen Horizont.

Zeitreise mit Tourismuschef

Der Tourismuschef zeigte die Entwicklung der Seebrücken am Seeschlösschen anhand einer Präsentation und erinnerte auch an den Bürgentscheid für das jetzt fertig gestellte Gebäude, an dem etwas mehr als 40 Prozent der wahlberechtigten Einwohner teilnahmen. Von den 3164 abgegebenen Stimmen sprachen sich 57,8 Prozent für die asiatische Bauweise aus. Denn das auf dem Seebrückenkopf ein Gebäude entstehen sollte, stand nicht infrage.

Auch Joachim Nitz, im September 2010 noch Tourismus-Chef in Scharbeutz, stimmte mit ab, da er seinen Wohnsitz im Timmendorfer Ortsteil Oeverdieck hat. „Ich war damals schon überzeugt davon, wenn so etwas irgendwo hinpasst, dann nach Timmendorf.“ Der Ort sei etwas Besonderes, habe Klasse und seiner Ansicht nach passe das Teehaus, so wie es jetzt entstanden ist, besser hierher als ein Gebäude aus Backstein oder mit Fachwerk.

„2013 wurde dann tatsächlich gebaut und Richtfest gefeiert – harmonisch, wie Herr Hunke es gerne betont“, erzählte Joachim Nitz weiter. Parallel dazu habe man einen Betreiber gesucht. Drei davon seien in die engere Wahl gekommen, die sich im Herbst im Tourismusausschuss vorstellten.

Die Entscheidung für Christian Kermel sei eindeutig und einstimmig ausgefallen. Schmunzelnd fügte Joachim Nitz hinzu: „Er hat das ganz clever gemacht, er kam mit Probierhäppchen der geplanten Speisekarte in den Ausschuss, das sind die Ausschussmitglieder nicht gewohnt.“ Ob das ausschlaggebend war mochte er nicht bestätigen, allerdings habe es ganz gut geschmeckt.

Ansichten und Einsichten von Jürgen Hunke

Jürgen Hunke hielt eine sehr lebhafte Rede.Diesen rhetorischen Ball fing Jürgen Hunke auf, der im Anschluss sprach. „Ich habe jetzt wieder etwas gelernt. Ich hätte in die Ratversammlung eine Flasche Korn mitbringen sollen, dann hätte man mich vielleicht besser verstanden“, begann er seine Ausführungen.

Zunächst wünschte er dem Betreiber alles Gute und wirtschaftlichen Erfolg. „Es ist heute schwer genug mit den ganzen Auflagen, besonders bei einer Gastronomie auf dem Meer“, so Hunke. Es sei alles hoch kompliziert und sei einer der Gründe gewesen, warum er „das nicht machen wollte“.

Die Idee zu dem Projekt sei ihm in den USA und Australien gekommen, wo man „gerade am Wasser mit Holz viele schöne Dinge macht“. Darüber habe er mit dem damaligen Bürgermeister Volker Popp gesprochen, mit dem er ab und zu zu Fußballspielen auf den Sportplatz des NTSV Strand 08 geradelt sei.

Der Bürgermeister sei von der Idee begeistert gewesen. Vieles habe man danach aber zwischen Tür und Angel gemacht und nicht schriftlich fixiert. „Wenn man so was im privaten Rahmen bespricht, hat man nicht immer eine Juristen dabei“, so seine Begründung. Man müsse Volker Popp und seinen Mitarbeitern dankbar sein, dass sie trotz vieler Genehmigungen, die eingeholt werden mussten, alles auf den Weg gebracht hätten.

Dabei sein ein 80-seitiger Vertrag herausgekommen. „Den habe ich nie gelesen“, führte Jürge Hunke weiter aus, „das war auch mein Fehler, weil auf Seite 70 stand, dass ich eine Konzession für ein Restaurant besorgen sollte.“ Das habe er nie vorgehabt. Seine Idee sei gewesen, im Teehaus Bilder auszustellen und im oberen Bereich ein Hochzeitszimmer einzurichten. „Das ist ja inzwischen auch vom Tisch“, bedauerte er.

Jürgen Hunke kam mehrfach darauf zurück, dass man ihn und das Projekt in Timmendorf nicht richtig verstanden habe: „Den frühen Tod von Volker Popp bedauere ich heute noch sehr, denn er war es, der viel dafür gemacht hat.“

Die immer wieder kleinen Seitenhiebe auf die Ortsverwaltung und –politik sowie eine ganze Reihe von Aufzählungen, was er in Hamburg verwirklicht hätte sorgten nach einiger Zeit für etwas Unruhe bei den Zuhörern.

Am Ende nur zufriedene Gesichter, auch bei Jürgen Hunke (rechts).Jürgen Hunke entwickelte zwischendurch auch immer wieder neue Ideen mit der Kernaussage „Kunst und Kreativität“. Außerdem sollten die älteren Leute nicht in Vergessenheit werden. „Man darf nicht alles vergessen, was man versprochen hat“, sagte Hunke und forderte die Gemeinde auf, für entsprechende Sitzmöglichkeiten auf der Brücke zu sorgen, auf denen sie verweilen könnten, ohne etwas zu verzehren.

Wichtig war ihm auch, dass das Urheberrecht für das Haus beim ihm bleibt. Darauf wies er ausdrücklich hin: „An dem Haus darf nicht ein Millimeter verändert werden, da passe ich auf. Es darf kein Schild ohne meine Genehmigung kommen, es darf nicht irgendetwas an Farbe kommen, alles muss genau so bleiben.“

Das stehe so in dem Vergleich, der mit der Gemeinde geschlossen worden sei: „Und jetzt lege ich mal Wert auf die Verträge, die wir gemacht haben, also stimmen Sie es genau mit mir ab, denn es ist ein Kunstwerk von außen.“

Bei aller Kritik, die häufig in den Worten von Jürgen Hunke durchschimmerte, habe er aber „alles verziehen“. Der stellvertretenden Bürgermeisterin gab er einige Ratschläge und weitere Ideen mit auf den Weg und schloss. „Machen Sie das Haus mit Sensibilität zum Wahrzeichen für die Lübecker Bucht.“

Ein schwärmender Architekt

Architekt Andreas Schuberth sinnierte bei seinen Ausführungen, dass das, was man heute sehen könne, wohl die Inspiration für das Dach des Teehauses gewesen sei, als Jürgen Hunke mit Volker Popp zum Bratwurstessen auf den Fußballplatz geradelt sei.

Brückentraum bei Tageslicht.„Dieses Wellenspiel, die Schaumkronen auf dem Meer und wie sie auf den sich verändernden Meeresfarben schweben“, skizzierte er seine Überlegungen und sprach von einer Metamorphose des asiatischen Daches, wenn das Sonnenlicht tagsüber hindurch scheint und es abends zu Leuchten anfängt.

Auch der Architekt ging noch einmal auf die hohen Anforderungen ein, die die Konzeptänderungen mit sich gebracht haben. „Besonders der Glasfußboden, bei dem jede Scheibe allein 250 Kilogramm wiegt, hat uns wahnsinnige Kopfschmerzen bereitet“, erinnerte er sich. Ein behindertengerechtes WC, Kühlanlagen, die Küche und einiges mehr kamen hinzu. Dabei hätte die Betreiber-Familie sehr viel Geduld und Verständnis bewiesen.

Der Kindertraum von Christian Kermel

Christian Kermel schloss die Rede-Runde ab und erzählte von seinem Kindertraum, der sich mit dem Restaurant „Wolkenlos“ für ihn erfüllt habe.

Als kleiner Junge habe er seine Eltern zu einem Hotel-Resort auf Hawaii begleiten dürfen. „1200 Zimmer waren über ein riesiges Areal verteilt, unterbrochen durch Flussläufe, auf denen Boote fuhren, die von netten jungen Leuten in weißen Uniformen gefahren wurden. Man konnte zu einer Bucht schwimmen, schnorcheln, mit Wasserschildkröten schwimmen – es war einfach unglaublich“, schwärmt er noch heute.

Als der kleine Christian noch erfuhr, dass der Bekannte seines Vaters, der stets entspannt in Hawaii-Hemd und Shorts durch die Anlage promenierte, der Hotel-Direktor sei, stand sein Berufswunsch fest – er wollte auch so ein Hotel-Direktor werden.

Brückentraum bei Abendstimmung.Mit seinen erst 26 Jahren hat Christian Kermel das bereits erreicht. „Ich bin Geschäftsführer von drei Jahreszeiten-Hotels in Lübeck, Kühlungsborn und Zingst“, berichtet er, habe aber immer nach einem Restaurant gesucht, das auf dem Wasser stand.

„Gastronomie hat mich schon immer fasziniert, Wasser auch – und dass ich beides kombinieren kann, damit ist ein absoluter Traum für mich wahr geworden“, sagte und dankte allen, die geholfen haben, ihn zu verwirklichen. „Ich hoffe, dass ich den Gästen hier das gleiche vermitteln kann“, ist sein Wunsch und Versprechen für die Zukunft.

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